PAVIA, Italien: Warum hatte Vitamin D KEINEN NUTZEN gegen COVID?

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung VitaminDelta, 57368 Lennestadt referiert die Studie aus PAVIA, Italien

2020-04-04

1) Fragestellung

  • Es gibt eine Übersicht aller Studien von Einsatz des Vitamin D gegen COVID: www.vdmeta.com
  • Dort zeigen sich immer wieder der Vorteiel eines guten Vitamin-D-Spiegels.
  • Doch es gibt eine Ausnahme von der Regel:
  • Die Studie von CEREDA aus Pavia in Nord-Italien

Was hat es mit dieser Studie auf sich?

2) Methode

  • Es ist eine reine Beobachtungsstudie.
  • ES gab keinerlei Gabe von Vitamin D.
  • Die Vitamin-D-Spiegel der beiden Gruppen sind nur formal genannt: "größer oder kleiner als 20 ng/ml"
  • Es fehlen sogar die Durchschnittswerte für den Vitamin-D-Spiegel der beiden Gruppen.

Auch fehlt eine differenzierte Grafik des Kollektivs in einer Punktwolke: x-Achse Vitamin-D-Spiegel. 
 

3) Ergebnisse

Es gibt eine ganze Reihe methodischer Schwächen: (Bezug zur Grafik: "?1")

"? 1" die Gruppe "Vitamin D > 20" ist mehrfach benachteiligt:

  • die ROTEN Punkte zeigen ein starkes Ungleichgewicht (1- 3 Punkte) zu Lasten der Vitamin D-Gruppe.
  • 16 x ist die Vitamin D-Gruppe durch mehr Krankheit belastet
  • nur 3 x ist sie weniger belastet
  • Das Ungleichgewicht ist bei der Krankheit "KREBS" extrem:  33,5% im Vergleich zu 17,5 %
  • Der Unterschied ist beinahe statistisch signifikant. p-Wert = 0,09
  • Nur ein Krebsfall mehr: "11 statt 10" und die Studie wäre wegen (zufäliger) Verzerrung bei der Veröffentlichung gescheitert.
  • Die Signifikanz-Berechnung findet sich oben links in der Box mit blauer Titelzeile:
  • Für den hypothetischen Fall von einem zusätzlichen Krebsfall: p-Wert 0,04 als Beleg für eine signifikante Verzerrung in diesem Fall.
  • Die rotenb Punbte zeigen: Der Vergleich der Patienten "über und unter 20 ng/ml" ist verzerrt.

"? 2" die Gruppe "Vitamin D > 20" ist benachteiligt

  • durch ein hohes Potenzial an Thrombose-Neigung: Ein hoher D-Dimer ist ungleich verteilt.
  • 2125 im Vergleich zu 1162 ug/l
  • Es darf angezweifelt werden, ob die Todesfälle mit COVID zu tun hatten.

"? 3" mehr Tote bei weniger Lungenentzündungen?

  • Schwere Covid-Lungenentzündungen sind sogar seltener (!) in der angeblich kränkeren Gruppe "Vitamin D > 20"
  • Nur 50 % im Vergleich zu 55,6 %
  • Die Frage ist daher: sind diese Menschen überhaupt an Corona gestorben?
  • Es darf angezweifelt werden, ob die Todesfälle mit COVID zu tun hatten.

"? 4" mehr Tote, doch niemand musste zuvor auf Intensivstation?

  • Obwohl in der Vitamin D-Gruppe die Sterblichkeit "höher" war, als in der Gruppe mit weniger Vitamin D, kam niemand auf Intensiv-Station
  • Alle Gestorbenen der Vitamin D-Gruppe starben ohne jegliche Beatmung.
  • Nicht einer hatte eine Beatmung (auf Intensiv-Station) nötig!
  • Es darf angezweifelt werden, ob die Todesfälle mit COVID zu tun hatten.

"p-value <0,1" - rote Ellipse - die kranke Vitamin-D-Gruppe

  • die Zahl der BEGLEITERKRANKUNGEN (Comorbidities) war ungleich verteilt zu Lasten der "Vitamin D-Gruppe" (n.s.)

4) Folgerungen

Die Studie mit hat 13 Autoren, doch gibt sie eine Kette von Rätseln auf und muß daher aus methodischen Gründen abgelehnt werden:

  • Warum wird das Kollektiv an der Grenze von 20 ng/ml geteilt, so daß die Gruppe in 30 und 99 Patienten entstehen?
  • Eine Teilung im Median hätte zwei gleich große Gruppen ergeben.
  • Warum ist nirgends der durchschnittliche Vitamin-D-Spiegel der beiden Gruppen genannt?
  • Es kann spekuliert werden, dass die Gruppen im Extremfall einen Vitamin-D-Spiegel von 19 bzw 21 ng/ml hatten.
  • Eine Punktwolke hätte die Daten bezüglich des Vitamin-D-Spiegels besser dargestellt.
  • www.VitaminDService.de/knowhow zeigt, warum dies die bessere Darstellung ist.

Warum starben 33 % in der Vitamin D-Gruppe und nur 24% in der Gruppe mit (ein wenig tieferem) Vitamin-D-Spiegel ?
Vorstellbar und plausibel ist dieses Szenario:

  • Patienten mit Krebskrankheit haben damals im April 2020 zur Stärkung ihrer Kräfte mehr Zeit im Garten verbracht.
  • Der erhöhte Vitamin-D-Spiegel von vielleicht 22 ng/ml statt 18 ng/ml ist Ausdruck ihrer Kraftlosigkeit.
  • Bei der Zahl der Krebskranken in der Vitamin-D-Gruppe fehlt nur ein weiterer Fall, dann wäre die Studie an der Ungleichheit gescheitert.
  • Die Basis-Daten lassen erkennen, dass diese Krebskranken im Schnitt ein höheres Vorkommen an Thrombosen hatte: D-Dimer höher
  • Sie hatten auch keine höhere Zahl an Lungenentzündungen, sogar weniger: 50. im Vergleich zu 55 %
  • Nicht ein einziger hatte Probleme mit der Atmung, keiner musste auf Intensivstation.
  • Genau 10 Patienten starben in der Vitamin D-Gruppe: waren es genau dieselben 10 Krebspatienten, die die Tabelle ausweist?
  • Der Tod durch Lungenembolie ereignet sich meist außerhalb der Internsivstation, er ist nicht untypisch für Krebspatienten.

Fazit:

  • Die Studie ist unplausibel, was den "Tod durch COVID" angibt:
  • Die gestorbenen Teilnehmer der Vitamin D-Gruppe starben weder an einer Lungenentzündung, noch waren sie auf Intensiv.
  • Vielmehr waren sie auffällig oft krebskrank: zu 33 %.
  • Die Autoren verbergen die Vitamin-D-Spiegel der beiden verglichenen Gruppen. Lagen diese 10 oder 1 ng/ml auseinander?
  • Die Studie hatte gar keine signifikanten Ergebnisse, auch nicht beim Endpunkt "Tod".

Die Autoren formulieren ganz bescheiden:
"Ob Vitamin D eine COVID-19-Infektion verhindern oder die klinischen Ergebnisse beeinflussen kann, muss durch ausreichend große und konzipierte bevölkerungsbasierte Studien bzw. Interventionsstudien beurteilt werden, ...."

Es ist banal, dass größere Studien mehr statistische Power entwickeln, doch gibt es auch sofort einsetzbare methodische Verbesserungen:

Anregung für eine besser qualifizierte Studie:

  • Eine Intervention mit der Korrektur des Vitamin-D-Spiegels auf 80 ng/ml ist zu empfehlen, um den Nutzen des Vitamin D zu prüfen.
  • Eine Punktwolke über die x-Achse des Vitamin-D-Spiegels ist zu empfehlen.
  • Die Y-Achse sollte einen problematischen Parameter zeigen, beispielsweise: D-Dimer, CRP, Tage auf Intensiv-Station, Alter
  • Anleitung: www.VitaminDService.de/knowhow

Quellenangaben

  1. Cereda E,
  2. Bogliolo L,
  3. Klersy C,
  4. Lobascio F,
  5. Masi S,
  6. Crotti S,
  7. De Stefano L,
  8. Bruno R,
  9. Corsico AG,
  10. Di Sabatino A,
  11. Perlini S,
  12. Montecucco C,
  13. Caccialanza R;

NUTRI-COVID19 IRCCS San Matteo Pavia Collaborative Group.

Vitamin D 25OH deficiency in COVID-19 patients admitted to a tertiary referral hospital.
Clin Nutr. 2020 Nov 2:S0261-5614(20)30601-4.
doi: 10.1016/j.clnu.2020.10.055.
Epub ahead of print. PMID: 33187772; PMCID: PMC7605851.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33187772/

bessere Studien:
www.VitaminDService.de/stier
www.VitaminDService.de/schnecke

Anleitung:
www.VitaminDService.de/knowhow
 




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