BUCH: Archiv und Atlas der normalen und pathologischen Anatomie in typischen Röntgenbildern (1910)

Autoren: 
Prof. Dr. Eugen Fraenkel und Dr. Alexander Lorey


Aus dem Inhalt: 

Das wesentlichste anatomische Charakteristikum des RACHITISCHEN (...) besteht in dem Auftreten eines im Übermaß gebildeten, als osteoide Substanz bezeichneten, während der Dauer der Erkrankung kalklos bleibenden Knorpel - und Knochengewebes
(...) Ihm gegenüber ist die (...) betonte Störung der endochondralen Ossifikation, wie sie sich in einer abnormen Verbreiterung der Knorpelwucherungszone durch scheinbar übermäßige Proliferation, in ungenügender resp. ausbleibender Verkalkung, in abnormer Vaskularisation des Knorpels und in dem Aufttreten der sogenannten Knorpelkanäle äußert, von sekundärer Bedeutung.
Durch das Auftreten, des bis zur Beginn der Erkrankung normalen Knochen substituierenden, kalklos bleibenden osteoiden Gewebes verliert der Knochen, die ihm zukommende Festigkeit, die auch durch das im Übermaß produzierte kalklose Knochengewebe nicht ersetzt werden kann. Wir haben dann einen abnorm weichen Knochen vor uns, an dem es sowohl im Bereich der Epi - als auch Diaphyse zu mehr oder weniger hochgradigen Deformierungen kommen kann. Besonders in den mit beträchtlichen Störungen der endochondralen Ossifikation einhergehenden Fällen treten Auftreibungen an den Gelenkenden und Abbiegungen der Epi - gegen die Diaphysen ein, die an den Rippen zu dem als RACHITISCHER Rosenkranz bekanntem Bilde, an den Röhrenknochen zu der als Zwiewuchs bezeichneten Veränderungen führen.
(...) In anderen Fällen hat sich sowohl in der Epi - Diaphysengrenze als auch weit in die Markhöhle hinein dichtes, feinmaschiges osteoides Gewebe entwickelt, mit dem eine wechselnd dicke Anlagerung kalklosen periostalen Osteophyts Hand in Hand geht. Wir haben dann einen zwar gleichfalls weichen, aber an unfertigem Knochengewebe reichen Knochen vor uns. 
(...) Der Thorax, der dann eine symetrische, muldenartige Vertiefung aufweist, zeigt in den schweren Fällen als die für RACHITIS charakteristische Veränderung, die als Hühnerbrust, pectus carinatum, bezeichnete Form, im Vergleich zu der die mit dem Namen der Trichterbrust belegte, durch ein rinnenartiges Einsinken des Sternums bedingte Formabweichung nur ausnahmsweise angetroffen wird. 
Hinsichtlich der Wirbelsäule genügt es, an die auf dem Boden der RACHITIS besonders häufig entstehendenseitlichen Verkrümmungen (SKOLIOSEN) zu erinnern. (...) Dagegen sind wir in der Lage, röntgenologisch die der RACHITIS zur Last fallenden Formveränderung des Beckens festzustellen.
(Seite 7- 9)