Vitamin K2: was ist wichtiger MK4 oder MK7

Dr. med. Raimund von Helden, © Institut VitaminDelta - www.vitaminDservice.de referiert

2026-04-12

1) Fragestellung

Worin unterscheiden sich Vitamin K2 als MK-4 und MK-7, und welche Form ist für die praktische Anwendung besser geeignet?

  • Vitamin K2 hat sich im Kielwasser des Vitamin D ins Bewusstsein gebracht
  • Wir unterscheiden MK4 und MK7!
  • Wie sind die beiden zu bewerten?
  • Welche Vorteile zeigen sich in der Gegenüberstellung der beiden?

2) Methode

  • Referat
  • consensus.app

3) Ergebnisse

Vitamin K2:  Ist MK-4 wichtiger als. MK-7

Stimmt diese Aussage...
Das war zu lesen: "Vitamin K2 ist wichtig, aber fast ausschließlich in der Form MK-4; MK-7 ist deutlich kritischer zu sehen?"

Bewertung:

  • Diese Aussage ist so nicht belegt.
  • Die vorliegenden Daten sprechen eher dafür, dass MK-7 günstige Eigenschaften wie eine längere Halbwertszeit und bessere Bioverfügbarkeit besitzt.
  • Eine pauschal „kritischere“ Bewertung von MK-7 gegenüber MK-4 wird durch die Studienlage nicht gestützt.

Ist Vitamin K2 fast nur in Form von MK-4 sinnvoll und MK-7 deutlich kritischer?

Vitamin K2 (Menaquinone) ist wichtig, aber die vorliegenden Daten sprechen eher für Vorteile von MK-7 gegenüber MK-4. Dazu zählen insbesondere die lange Halbwertszeit und die bessere Bioverfügbarkeit. Von einer generell „kritischen“ Bewertung von MK-7 ist in den Studien keine Rede.

Unterschiede zwischen MK-4 und MK-7

Aspekt MK-4 MK-7 Quellen
Nachweis im Blut (Normaldosis) Kaum oder nicht nachweisbar Deutlich ansteigende, stabile Spiegel Bladbjerg et al., 2023; Schurgers et al., 2007
Knochenmarker (Osteocalcin) Wirksamkeit erst bei hohen Dosen gezeigt Starke, anhaltende Verbesserung der Osteocalcin-Carboxylierung Zhang et al., 2024; Schurgers et al., 2007; Bladbjerg et al., 2023; Li et al., 2020
Praktische Nutzung Hochdosis-Therapie vor allem in Japan Weit verbreitete Nahrungsergänzung, gute Datenlage, sicher Schurgers et al., 2007; Sato et al., 2012; Qi et al., 2024; Ming et al., 2022; Lees et al., 2018

Halbwertszeit, Blutspiegel und Bioverfügbarkeit

  • Halbwertszeit und Spiegel: MK-7 hat eine sehr lange Halbwertszeit von etwa 72 bis 90 Stunden und führt bei regelmäßiger Einnahme zu sieben- bis achtfach höheren und stabileren Blutspiegeln als K1. MK-4 hat dagegen nur eine Halbwertszeit von etwa einer Stunde und wird rasch abgebaut.
  • Bioverfügbarkeit: In einer direkten Vergleichsstudie mit gesunden Frauen war MK-7 nach oraler Gabe klar nachweisbar und blieb bis 48 Stunden messbar. MK-4 war in gleicher Dosis im Serum gar nicht nachweisbar. Auch bei siebentägiger Einnahme stiegen nur die MK-7-Spiegel an.

Sicherheit und Kritik an MK-7

  • Allgemeinbevölkerung, Kinder, Schwangerschaft: MK-7 hat eine dokumentierte Geschichte sicherer Anwendung. Große Behörden wie EFSA, IOM und WHO sehen keinen Bedarf für eine obere Aufnahmemenge, da relevante Nebenwirkungen fehlen.
  • Dialyse- und COVID-Patienten: In randomisierten kontrollierten Studien mit 360–999 µg MK-7 pro Tag über mehrere Monate bis zu einem Jahr traten keine prothrombotischen Effekte oder schweren Nebenwirkungen auf.
  • Wirklich kritisch: Bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin, Phenprocoumon oder Acenocoumarol einnehmen, kann bereits eine niedrige MK-7-Zufuhr von 10–45 µg pro Tag die INR senken und die Gerinnungshemmung abschwächen. In diesem Fall sollte MK-7 gemieden oder nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

MK-4: wichtig, aber nicht allein entscheidend

  • MK-4 spielt eine Rolle für Knochen- und Gefäßgesundheit und wird unter anderem in Tiermodellen untersucht.
  • Hochdosierte MK-4-Präparate werden insbesondere in Japan eingesetzt.
  • Mehrere Reviews und Metaanalysen zu Vitamin K2 unterscheiden in ihrer Bewertung nicht strikt zwischen MK-4 und MK-7, sondern sehen beide Formen als potenziell nützlich für Knochen und Gefäße an.

4) Folgerungen

  • Die Aussage „Vitamin K2 ist nur in Form von MK-4 wichtig und MK-7 deutlich kritischer“ wird von der aktuellen Forschung nicht gestützt.
  • MK-7 zeigt eher eine bessere Bioverfügbarkeit und gute Sicherheitsdaten.
  • Kritisch ist MK-7 vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten, nicht jedoch generell.
  • Beide Formen haben ihre Rolle, und MK-7 ist keineswegs pauschal problematischer als MK-4.

Quellenangaben

Literatur

  • Ming, M. et al. (2022). Efficacy of vitamin K2 in the prevention and treatment of postmenopausal osteoporosis: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Public Health, 10.
  • Bladbjerg, E. et al. (2023). No detectable coagulation activation after vitamin K (MK-7) supplementation in patients on dialysis with functional vitamin K deficiency: a one-year randomized, placebo-controlled study. Journal of Renal Nutrition.
  • Chen, H. et al. (2019). Association of vitamin K with cardiovascular events and all-cause mortality: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Nutrition.
  • Geng, C. et al. (2023). Effects of vitamin K supplementation on vascular calcification in chronic kidney disease: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Nutrition, 9.
  • Kozioł-Kozakowska, A., & Maresz, K. (2022). The Impact of Vitamin K2 (Menaquinones) in Children’s Health and Diseases: A Review of the Literature. Children, 9.
  • Lees, J. et al. (2018). Vitamin K status, supplementation and vascular disease: a systematic review and meta-analysis. Heart, 105, 938–945.
  • Li, T. et al. (2023). Vitamin K supplementation and vascular calcification: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Nutrition, 10.
  • Li, A. et al. (2020). Drug-drug interactions with direct oral anticoagulants associated with adverse events in the real world: A systematic review. Thrombosis Research, 194, 240–245.
  • Qi, X. et al. (2024). The investigation of connection between anticoagulant therapy and vitamin K homologues in human determined by LC-MS/MS. Bioanalysis.
  • Sato, T., Schurgers, L., & Uenishi, K. (2012). Comparison of menaquinone-4 and menaquinone-7 bioavailability in healthy women. Nutrition Journal, 11, 93.
  • Schurgers, L. et al. (2007). Vitamin K-containing dietary supplements: comparison of synthetic vitamin K1 and natto-derived menaquinone-7. Blood, 109(8), 3279–3283.
  • Theuwissen, E. et al. (2013). Effect of low-dose supplements of menaquinone-7 (vitamin K2) on the stability of oral anticoagulant treatment: dose–response relationship in healthy volunteers. Journal of Thrombosis and Haemostasis, 11, 1085–1092.
  • Visser, M. et al. (2024). Vitamin K2 Supplementation in Hospitalised COVID-19 Patients: A Randomised Controlled Trial. Journal of Clinical Medicine, 13.
  • Zhang, T. et al. (2024). Vitamin K2 in Health and Disease: A Clinical Perspective. Foods, 13.
  • Zwakenberg, S. et al. (2019). The effect of menaquinone-7 supplementation on vascular calcification in patients with diabetes: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. The American Journal of Clinical Nutrition, 110, 883–890.



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