SONNENCREME tanken: UVA und UVB-Filter bleiben nicht auf der Haut

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt referiert

2026-04-09

1) Fragestellung

  • Es ist bekannt, dass Sonnencremes die UV-Strahlen abschirmen.
  • Daher kommt es zu einer Blockade der Erzeugung von Vitamin D 
  • Weniger bekannt ist, dass die UVA und UVB-Filter nicht auf der Haut bleiben.
  • Ist es wissenschaftlich erwiesen dass sie in den Körper eindringen?

2) Methode

Literartur-Recherche
Consensus

3) Ergebnisse

Chemische UV-Filter und Aufnahme in den Körper

Werden chemische UV-Filter in den menschlichen Körper aufgenommen?

Chemische UV-Filter und Aufnahme in den Körper

Chemische (organische) UV-Filter in Sonnenschutzmitteln werden nicht nur auf der Hautoberfläche gehalten, sondern können in unterschiedlichem Ausmaß durch die Haut in den Körper gelangen. Zahlreiche Humanstudien und Übersichtsarbeiten belegen messbare Blut-, Urin- und andere Gewebespiegel nach normaler Anwendung.

Fragestellung:
Werden chemische UV-Filter aus Sonnenschutzmitteln systemisch in den menschlichen Körper aufgenommen?

Forschungsstand zur systemischen Aufnahme chemischer UV-Filter

Figure 1: Forschungsstand zur systemischen Aufnahme chemischer UV-Filter

Nachweis im Blut und in Körperflüssigkeiten

Beispiele gemessener Konzentrationen chemischer Filter

Filter (Beispiele) Matrix Befund / Besonderheit Quellen
Avobenzon Plasma Bis ca. 7–11 ng–µg/mL nach Anwendung Hiller et al., 2019; Narloch & Wejnerowska, 2021; Huang et al., 2020
Octocrylen Plasma/Urin Hohe Plasmaspiegel, langsame Elimination Hiller et al., 2019; Huang et al., 2020
Oxybenzon (BP-3) Plasma Bis ca. 258 ng/mL nach Vollkörperanwendung Narloch & Wejnerowska, 2021; Giokas et al., 2007; Huang et al., 2020
Homosalat Plasma/Urin Systemisch nachweisbar, Halbwertszeit ca. 24 h Huang et al., 2020; Nițulescu et al., 2023

Figure 2: Beispiele systemischer Spiegel einzelner UV-Filter

Nach Ganzkörper-Anwendung eines handelsüblichen Sonnenschutzes wurden Avobenzon, Octocrylen und sein Metabolit in Plasma bis 11, 25 bzw. 1352 µg/L nachgewiesen; Peaks nach 10–16 h, Halbwertszeit 1,5–2 Tage, mit deutlicher Ausscheidung des Metaboliten im Urin (Hiller et al., 2019).

  • Klinische Studien und Reviews berichten, dass alle geprüften chemischen Filter (u. a. Avobenzon, Oxybenzon/BP-3, Octocrylen, Homosalat, Octisalate, Octinoxat, Ecamsul) im Blutplasma nach topischer Anwendung messbar sind, teils deutlich über dem FDA-Schwellenwert von 0,5 ng/mL.
  • UV-Filter wurden außerdem in Urin, Muttermilch, Samenflüssigkeit, Fruchtwasser und Nabelschnurblut gefunden, was auf systemische und teilweise fetale Exposition hindeutet.

Hautpenetration und Einflussfaktoren

  • Mehrere Arbeiten bestätigen, dass organische UV-Filter die Epidermis durchdringen und in den Blutkreislauf übergehen können; lipophile Filter wie Octocrylen oder Benzophenone zeigen eher langsamere Ausscheidung und potenziell höhere Belastung.
  • Die aufgenommene Menge hängt unter anderem von Körperfläche, Dosis (mg/cm²), Häufigkeit, Emulsionstyp (W/O > O/W), Hautzustand, Alter und Penetrationsverstärkern ab.

Gesundheitsrelevanz

  • Reviews betonen, dass die systemische Aufnahme gut belegt ist, während klare Nachweise für akute Toxizität beim Menschen selten sind.
  • Diskutiert werden vor allem mögliche endokrine Effekte (Hormon-, Schilddrüsen- und Reproduktionsparameter) sowie Langzeitrisiken, die noch weiter erforscht werden müssen.
 

4) Folgerungen

  • Chemische UV-Filter werden nach dem Auftragen auf die Haut messbar in den menschlichen Körper aufgenommen
  • Sie werden im Blut, Urin und weiteren Körperflüssigkeiten nachgewiesen.
  • Das Ausmaß der Aufnahme variiert stark nach Filtertyp, Formulierung und Anwendungsweise.
  • Die systemische Präsenz ist klar belegt; die gesundheitliche Bedeutung dieser Belastung wird intensiv untersucht, ist aber noch nicht vollständig geklärt.

Quellenangaben

Mehr erfahren:

Literatur

  1. Bai, L. et al. (2024). Percutaneous Penetration and Dermal Exposure Risk Assessment of UV Absorbents in Sunscreens and Isolation Cosmetics.
  2. Balla, D. et al. (2023). Methods for cutaneous penetration assessment of organic UV filters - a review.
  3. Banala, S. et al. (2024). An Integrative Review of the Absorption of FDA-Approved Chemical Sunscreen Filters Into the Blood.
  4. Cohen, S. et al. (2025). Mode of action approach supports a lack of carcinogenic potential of six organic UV filters.
  5. Ebert, K. et al. (2024). Toxicokinetics of homosalate in humans after dermal application.
  6. Fivenson, D. et al. (2020). Sunscreens: UV filters to protect us: Part 2.
  7. Giokas, D. et al. (2007). UV filters: From sunscreens to human body and the environment.
  8. Greco, A. et al. (2025). Thyroid disrupting effects of exposure to sunscreens.
  9. Hiller, J. et al. (2019). Systemic availability of lipophilic organic UV filters through dermal sunscreen exposure.
  10. Hodge, A. et al. (2025). Ecotoxicological effects of sunscreen derived organic and inorganic UV filters.
  11. Huang, Y. et al. (2020). Risks of organic UV filters: a review of environmental and human health concern studies.
  12. Jaskulak, M. et al. (2025). Endocrine and Reproductive Health Considerations of Sunscreen UV Filters.
  13. Jesus, A. et al. (2022). UV Filters: Challenges and Prospects.
  14. Just-Sarobé, M. (2025). Sunscreens and Their Impact on Human Health and the Environment: A Review.
  15. Narloch, I. & Wejnerowska, G. (2021). An Overview of the Analytical Methods for the Determination of Organic Ultraviolet Filters in Cosmetic Products and Human Samples.
  16. Nițulescu, G. et al. (2023). Ultraviolet Filters for Cosmetic Applications.
  17. Yang, Y. et al. (2022). In Vitro Testing of Sunscreens for Dermal Absorption.



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