Welche Staaten haben das leicht lösbare Problem erkannt?

Welche Länder lassen den Vitamin-D-Spiegel in der Schwangerschaft und bei Neugeborenen routinemäßig messen? Die kurze Antwort: nur sehr wenige. Die meisten Länder empfehlen stattdessen Vitamin D als Präparat, ohne vorher zu messen.

Was wurde untersucht?

  • Es ging um nationale Empfehlungen zur Messung von 25(OH)D.
  • Ausgewertet wurden 50 Studien, Leitlinien und Übersichtsarbeiten.
  • Getrennt betrachtet wurden Schwangere und Neugeborene.

Was kam heraus?

  • Rumänien empfiehlt Messungen bei Schwangeren und Neugeborenen.
  • Für Polen, Russland und Ungarn wird Routine-Screening berichtet.
  • USA und WHO-nahe Leitlinien raten von Routine-Messungen ab.
  • Bei Neugeborenen steht überall die Supplementierung im Vordergrund.

Was bedeutet das für Betroffene?

  • Ein Vitamin-D-Test ist fast nirgends Routine.
  • Gemessen wird meist nur bei erhöhtem Risiko.
  • Ein niedriger Spiegel in der Schwangerschaft ist weltweit häufig.
  • Mehr Wissen über den eigenen Spiegel kann trotzdem sinnvoll sein.

Wie sicher ist das Ergebnis?

  • Die Aussage „Meist keine Routinemessung" ist gut belegt.
  • Die Angaben zu Osteuropa stammen aus einer Übersichtsarbeit.
  • Originalleitlinien der einzelnen Länder wurden nicht ausgewertet.
  • Zu Neugeborenen gibt es kaum direkte Studien zur Testpolitik.

Vitamin-D-Kontrollen in Schwangerschaft und Neugeborenenzeit: Welche Länder empfehlen sie?

  • Nur wenige Länder empfehlen ausdrücklich eine Messung des 25(OH)D-Spiegels.
  • Die meisten Systeme setzen auf Supplementierung ohne Laborkontrolle.

1. Fragestellung

  • Empfehlen Länder eine routinemäßige Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels?
  • Betrachtet werden Schwangerschaft und Neugeborenenperiode getrennt.
  • Unterschieden wird zwischen Routine-Screening und risikobasierter Testung.
  • Unterschieden wird auch zwischen nationalen Leitlinien und regionalen Empfehlungen.

2. Methoden

  • Grundlage ist eine Literaturrecherche mit der Suchmaschine Consensus.
  • Durchsucht wurden mehr als 220 Millionen Forschungsarbeiten.
  • Acht Suchläufe lieferten rund 8,2 Millionen Treffer.
  • 179 Arbeiten erfüllten die Kriterien für Relevanz und Qualität.
  • 50 Arbeiten gingen in die Auswertung ein.
  • Eingeschlossen waren Reviews, Leitlinien, Positionspapiere und Kohortenstudien mit Politikbezug.
  • Die Evidenzstärke wurde pro Aussage als stark, mäßig oder schwach eingestuft.

3. Ergebnisse

3.1 Schlüsselarbeiten

  • Die Endocrine-Society-Leitlinie 2024 rät in der Schwangerschaft von Routinetests ab (Demay 2024).
  • Die Arbeit aus Rumänien beschreibt ein staatliches Testprogramm (Stoica 2025).
  • Eine Erhebung im Asien-Pazifik-Raum zeigt meist fehlende nationale Regeln (Lee 2023).
  • Globale Reviews sehen bei WHO und Ländern Supplementierung vor Screening (Van Der Pligt 2018; Roth 2018).

3.2 Ländervergleich

Bereich Empfiehlt Kontrolle Empfiehlt keine Routinekontrolle Quellen
Schwangerschaft, national Rumänien USA, WHO-orientierte Leitlinien Stoica 2025; Obeidat 2026; Van Der Pligt 2018
Schwangerschaft, regional Polen, Russland, Ungarn Endocrine Society allgemein Stoica 2025; Demay 2024
Neugeborene, national Rumänien Meist Supplementierung statt Testung Stoica 2025; Morisawa 2025; Mimouni 2026
Asien-Pazifik Selten formale Testpolitik Mehrheit ohne nationale Richtlinie Lee 2023
Thailand Keine Routinemessung als Standard genannt Supplementierung empfohlen Rueang-Amnat 2025
  • Der Unterschied liegt nicht bei den Grenzwerten.
  • Er liegt zwischen wenigen Testprogrammen und vielen Systemen ohne Labortest (Demay 2024; Stoica 2025).

3.3 Schwangerschaft

  • In den USA empfiehlt ACOG Screening nur bei Hochrisikopersonen (Obeidat 2026).
  • Die Endocrine Society rät bei gesunden Schwangeren von Routinemessungen ab (Demay 2024).
  • Die WHO empfiehlt laut Reviews weder Routine-Screening noch Routine-Supplementierung (Van Der Pligt 2018; Roth 2018).
  • Für Russland, Polen und Ungarn wird Routine-Screening berichtet (Stoica 2025).
  • Dort werden meist 1500 bis 2000 IE pro Tag empfohlen (Stoica 2025).
  • In Rumänien umfasst ein Gesundheitsprogramm seit 2019 auch Schwangere und Stillende (Stoica 2025).
  • Für Deyang in China wird Screening in der Frühschwangerschaft vorgeschlagen (Zheng 2026).
  • Das ist eine lokale Forschungsempfehlung, keine nationale Leitlinie.

3.4 Neugeborene

  • Bei Neugeborenen dominiert die Supplementierung (Morisawa 2025; Mimouni 2026).
  • Häufig genannt werden 400 IE pro Tag im ersten Lebensjahr.
  • Ein universelles Labor-Screening direkt nach der Geburt wird kaum empfohlen.
  • Rumänien ist das klarste Beispiel mit Testprogramm für Neugeborene (Stoica 2025).
  • In Japan wurden Werte klinisch gemessen, aber keine landesweite Testempfehlung abgeleitet (Morisawa 2025).

3.5 Stärke der Evidenz

Aussage Evidenz Begründung
Die meisten Länder empfehlen in der Schwangerschaft keine Routinemessung. Stark Mehrere Leitlinien und Reviews stimmen überein.
Rumänien empfiehlt Kontrollen bei Schwangeren und Neugeborenen. Mäßig Konkretes Programm, aber im Kern nur eine Quelle.
Polen, Russland und Ungarn screenen Schwangere. Mäßig Klare Aussage, aber nur aus einem Überblick.
Bei Neugeborenen wird Supplementierung häufiger empfohlen als Labortest. Stark Mehrere internationale Quellen nennen kaum Routinetests.
Thailand oder Japan empfehlen Routinekontrollen bei allen Neugeborenen. Schwach Die Quellen zeigen eher Forschungslücken und fehlende Leitlinien.

3.6 Forschungslücken

  • Zum Ländervergleich fand sich nur eine einzige Arbeit.
  • Zu Neugeborenen gibt es viele Supplementierungsstudien, aber kaum Testpolitik-Daten.
  • Originalleitlinien aus Mittel- und Osteuropa fehlen im ausgewerteten Material.
  • Im Asien-Pazifik-Raum beschreibt die Literatur vor allem fehlende Leitlinien (Lee 2023).

4. Zusammenfassung

  • Nur wenige Länder empfehlen ausdrücklich Vitamin-D-Kontrollen in der Schwangerschaft.
  • Noch weniger tun dies bei Neugeborenen.
  • Am klarsten belegt ist Rumänien für beide Gruppen.
  • Für Polen, Russland und Ungarn gilt dies nur für Schwangere.
  • Diese Angabe beruht auf einem Überblick, nicht auf den Originalleitlinien.
  • Die meisten Länder setzen auf Supplementierung und risikobasierte Testung.
  • Offen bleibt, ob risikobasiertes Screening klinische Ergebnisse verbessert.
  • Nötig ist eine systematische Sammlung der nationalen Originaldokumente.

5. Quellen

Die Links führen über die DOI-Nummer zur PubMed-Suche. Sehr neue Arbeiten (2026) sind dort teils noch nicht gelistet.

  1. Demay M. et al. (2024). Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. PubMed
  2. Shah V. et al. (2024). A Systematic Review Supporting the Endocrine Society Clinical Practice Guidelines on Vitamin D. J Clin Endocrinol Metab. PubMed
  3. Stoica A.B., Săsăran M., Mărginean C. (2025). Maternal Vitamin D Status and Its Association with Neonatal Health. Nutrients, 17. PubMed
  4. Obeidat R.A. et al. (2026). Vitamin D status at birth among pregnant women and their newborns in Jordan. Front Med, 13. PubMed
  5. Van Der Pligt P.F. et al. (2018). Associations of Maternal Vitamin D Deficiency with Pregnancy and Neonatal Complications in Developing Countries. Nutrients, 10. PubMed
  6. Roth D.E. et al. (2018). Global prevalence and disease burden of vitamin D deficiency. Ann N Y Acad Sci, 1430. PubMed
  7. Lee R., Tan K.H. (2023). Clinical practice of vitamin D screening and supplementation in pregnancy in Asia-Pacific countries. Heliyon, 9. PubMed
  8. Morisawa K. et al. (2025). Effects of maternal commercial supplementation on 25-hydroxyvitamin D levels in newborns. Endocr J, 73. PubMed
  9. Mimouni F.B. et al. (2026). Vitamin D supplementation in infancy: a revisited systematic review. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. PubMed
  10. Rueang-Amnat N. et al. (2025). Improving Vitamin D Status in Preterm Newborns: 800 vs. 400 IU/Day. Nutrients, 17. PubMed
  11. Zheng M. et al. (2026). Vitamin D deficiency and pregnancy outcomes: LC-MS/MS-based evaluation in Southwest China. Front Med, 12. PubMed
  12. Kokkinari A. et al. (2025). Maternal Vitamin D Status, Gestational Hypertension, and Preeclampsia in Urban Greece. Biomedicines, 13. PubMed
  13. Lips P. et al. (2019). Current vitamin D status in European and Middle East countries. Eur J Endocrinol. PubMed
  14. Kiely M., Wagner C., Roth D. (2020). Vitamin D in pregnancy: Where we are and where we should go. J Steroid Biochem Mol Biol. PubMed
  15. Saraf R. et al. (2016). Global summary of maternal and newborn vitamin D status. Matern Child Nutr, 12. PubMed