Soll ich mir gegen Osteoporose die empfohlene Antikörper-Spritze "1 x im Quartal" geben lassen? - Wer hier unterschreibt, sitzt erst einmal in der Falle!

Wie lange sollte Denosumab bei Osteoporose gegeben werden?
Angeregt durch eine kritische Fachkorrespondenz im arznei-telegramm (2026; 57: 60-2) widmen wir uns erneut der Dauerkrise beim Denusomab:
1. Was ist das Problem bei Denosumab?
- Zulassungsstudien belegen die Wirksamkeit nur über drei bis vier Jahre.
- Langzeitdaten bis zehn Jahre stammen aus einer offenen Verlängerungsstudie.
- Nur 34 Prozent der ursprünglichen Denosumab-Gruppe blieben bis zum Schluss dabei.
- Seltene Nebenwirkungen wie Kiefernekrosen sind dadurch schwer einzuschätzen.
2. Was passiert beim Absetzen von Denosumab?
- Anders als Bisphosphonate wirkt Denosumab nach dem Absetzen nicht nach.
- Es kommt zu einem Rebound mit raschem Knochenverlust.
- Das Risiko für mehrere Wirbelbrüche gleichzeitig steigt deutlich an.
- Je länger die Therapie dauerte, desto größer scheint das Rebound-Risiko.
3. Wie gut schützt eine Anschlusstherapie?
- Leitlinien empfehlen nach dem Absetzen eine Anschlusstherapie, meist mit Bisphosphonaten.
- Die Datenlage dazu ist dünn und beruht auf kleinen Beobachtungsstudien.
- Substanz, Dosis und Dauer der Anschlusstherapie sind nicht einheitlich geklärt.
- Selbst mit Anschlusstherapie werden nicht alle Knochendichtegewinne gehalten.
4. Was bedeutet das für die Praxis?
- Vor Therapiebeginn sollte die Indikation für Denosumab streng geprüft werden.
- Eine einmal begonnene Therapie sollte nicht ohne Plan beendet werden.
- Nach dem Absetzen ist eine engmaschige Überwachung wichtig.
- Fachinformationen warnen seit Juli 2025 ausdrücklich vor unkontrolliertem Abbruch.
Denosumab bei Osteoporose: Wie lange ist die Therapie sinnvoll?
Kritische Einordnung einer Fachkorrespondenz aus dem arznei-telegramm, Ausgabe 8/2026.
1. Fragestellung
- Wie lange sollte Denosumab bei Osteoporose angewendet werden?
- Welche Evidenz stützt eine Therapie über drei Jahre hinaus?
- Welche Risiken birgt das Absetzen von Denosumab?
- Diese Fragen behandelt eine Korrespondenz im arznei-telegramm 2026.
2. Methoden
- Grundlage ist eine kritische Fachkorrespondenz im arznei-telegramm, Ausgabe 8/2026.
- Sie wertet publizierte Daten zur FREEDOM-Studie und ihrer Verlängerung aus.
- Einbezogen sind zudem Leitlinien, Fachinformationen und Beobachtungsstudien zum Absetzen.
- Die Redaktion ordnet die vorliegende Datenlage pharmakologisch-kritisch ein.
- Es handelt sich nicht um eine eigene systematische Übersichtsarbeit.
3. Ergebnisse
Zulassungsstudie und Langzeitdaten
- Die placebokontrollierte FREEDOM-Studie belegte Wirksamkeit über drei Jahre.
- Die zehnjährige Extension war offen und ohne Placebogruppe.
- Nur 1343 von ursprünglich 7808 Frauen blieben bis zum Ende dabei.
- Atypische Femurfrakturen und Kiefernekrosen wurden in der Extension selten dokumentiert.
- Wegen der geringen Teilnehmerzahl bleibt ihre wahre Häufigkeit unsicher.
Rebound-Effekt nach dem Absetzen
- Nach Absetzen sinkt die Knochendichte rasch, die Umbaumarker steigen stark an.
- Eine Post-hoc-Analyse von 2022 fand einen Zusammenhang mit der Therapiedauer.
- Nach höchstens dreijähriger Therapie treten 6,7 Wirbelbrüche je 100 Patientenjahre auf.
- Nach mehr als dreijähriger Therapie steigt dieser Wert auf 10,7.
- Frühere, kleinere Analysen fanden diesen Zusammenhang noch nicht.
Anschlusstherapie und Leitlinien
- Zwei Beobachtungsstudien mit 797 und 120 Patientinnen prüften eine Anschlusstherapie.
- Mit Bisphosphonaten sank das Wirbelbruchrisiko dort von 36,4 auf 21,1 Prozent.
- Ohne Anschlusstherapie sank es nur von 5,5 auf 2,9 Prozent.
- Die optimale Anschlusstherapie bleibt laut den Studienautoren ungeklärt.
- Die europäische Fachgesellschaft ECTS empfiehlt Zoledronsäure bis 2,5 Jahre.
- Die britische Leitlinie empfiehlt ausschließlich Zoledronsäure nach dem Absetzen.
- Osteoanabolika wie Teriparatid werden für die Anschlusstherapie eher abgeraten.
Regulatorische Reaktionen
- Seit Juli 2025 warnen deutsche Fachinformationen ausdrücklich vor dem Therapieabbruch.
- Die australische Arzneimittelbehörde TGA verschärfte im November 2025 ihre Warnhinweise.
Tabellarische Übersicht der Kritikpunkte
| Kritikpunkt | Befund | Quelle (Nr.) |
|---|---|---|
| Begrenzte Zulassungsevidenz | Placebokontrolliert nur über drei Jahre belegt | 1 |
| Unkontrollierte Extension | Ab Jahr 4 keine Placebogruppe, hoher Drop-out (nur 34 % verblieben) | 1 |
| Seltene Nebenwirkungen | Atypische Femurfrakturen, Kiefernekrosen wegen kleiner Fallzahl unsicher einschätzbar | 1, 3 |
| Rebound-Effekt | Rascher Knochenverlust und Anstieg der Resorptionsmarker nach dem Absetzen | 7, 10 |
| Dauerabhängiges Risiko | Je länger die Therapie, desto höher das Risiko multipler Wirbelbrüche nach dem Absetzen | 9 |
| Unklare Anschlusstherapie | Optimale Substanz, Dosis und Dauer nicht ausreichend erforscht | 10, 16, 17 |
| Uneinheitliche Leitlinien | ECTS, britische Leitlinie und Praxis empfehlen Unterschiedliches | 10, 12, 14 |
| Regulatorische Reaktion | Fachinformationen und TGA verschärfen 2025 ihre Warnhinweise | 3, 18 |
4. Zusammenfassung
- Denosumab wirkt bei postmenopausaler Osteoporose nachweislich über drei Jahre.
- Für eine Langzeittherapie über zehn Jahre fehlen kontrollierte Daten.
- Nach dem Absetzen droht ein Rebound mit multiplen Wirbelbrüchen.
- Dieses Risiko steigt mit der Dauer der vorherigen Therapie.
- Die optimale Anschlusstherapie nach Denosumab ist bislang nicht geklärt.
- Fachgesellschaften raten daher zu einer sehr strengen Indikationsstellung.
- Eine begonnene Denosumab-Therapie sollte nie unkontrolliert beendet werden.
5. Quellen
- Bone HG et al. 10 years of denosumab treatment: FREEDOM extension. Lancet Diabetes Endocrinol. 2017; 5: 513-23. DOI: 10.1016/S2213-8587(17)30138-9 (Link geprüft: erreichbar)
- Bauer DC, Ensrud KE. JAMA Intern Med. 2025; 185: 876-8. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- Amgen. Fachinformation PROLIA, Stand April 2026. (Herstellerangabe, kein öffentlicher Permalink)
- EMA. „Denosumab Global Safety Assessment in Multiple Observational Databases", HMA-EMA RWD Catalogues, Stand 15.11.2024. (Originalzitat aus a-t)
- Amgen. ClinicalTrials.gov, Stand 4.11.2024, NCT00089791 / NCT00523341 (FREEDOM-Studienregister).
- EMA. Schreiben vom 21.5.2025. (Originalzitat aus a-t)
- Anastasilakis AD et al. Clinical features of 24 patients with rebound-associated vertebral fractures. J Bone Miner Res. 2017; 32: 1291-6. DOI: 10.1002/jbmr.3110 (Link geprüft: erreichbar)
- Popp AW et al. Calcif Tissue Int. 2018; 103: 50-4. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- Cosman F et al. Multiple vertebral fractures after denosumab discontinuation: FREEDOM post hoc analyses. J Bone Miner Res. 2022; 37: 2112-20. DOI: 10.1002/jbmr.4705 (Link geprüft: erreichbar)
- Tsourdi E et al. Fracture risk and management of discontinuation of denosumab therapy: ECTS position statement. J Clin Endocrinol Metab. 2021; 106: 264-81. DOI: 10.1210/clinem/dgaa756 (Link geprüft: erreichbar)
- Camacho PM et al. Endocrine Pract. 2020; 26 (Suppl. 1): 1-46. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- Dachverband Osteologie. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, Stand Febr. 2023. https://leitlinien.dv-osteologie.org/ (Link geprüft: erreichbar, führt zur DVO-Leitlinie)
- Van den Bergh JP et al. Arch Osteoporos. 2024; 19: 23. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- Gregson CL et al. Arch Osteoporos. 2025; 20: 119. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- Kumar S et al. Denosumab discontinuation in the clinic. J Bone Miner Res. 2025; 40: 1017-34. DOI: 10.1093/jbmr/zjaf037 (Link geprüft: erreichbar)
- Burckhardt P et al. Fractures after denosumab discontinuation: retrospective study of 797 cases. J Bone Miner Res. 2021; 36: 1717-28. DOI: 10.1002/jbmr.4335 (Link geprüft: erreichbar)
- Grassi G et al. Eur J Endocrinol. 2021; 185: 387-96. (Originalzitat aus a-t; Link nicht einzeln recherchiert)
- TGA (Australien). Strengthened warnings for fracture risk after discontinuation of denosumab. Safety alert, 21.11.2025. tga.gov.au (Link geprüft: erreichbar)
Primärquelle dieser Zusammenfassung: Bräuer U. Zur Therapiedauer mit Bisphosphonaten bzw. Denosumab bei Osteoporose, Teil 2: Denosumab. arznei-telegramm 2026; 57: 60-2.
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