
Gibt es gegen Alopezie /Haarausfall eine neue Chance durch NANA10?
Darmbarriere-Biomarker bei Alopezie – bisher kein klarer Nachweis
Übersicht des Themas in allgemeinverständlicher Form
Frage 1: Was ist die "Darmbarriere" und warum spricht man im Zusammenhang mit Alopezie davon?
- Die Darmschleimhaut wirkt als Barriere, die Bakterien und deren Bestandteile vom Blut trennt.
- Ist diese Barriere gestört ("Leaky Gut"), können Bakterienbestandteile ins Blut gelangen und Entzündungen fördern.
- Bei Alopecia areata, einer autoimmun bedingten Form des Haarausfalls, wird diskutiert, ob die Darm-Haut-Achse und das Mikrobiom eine Rolle spielen.
- Deshalb untersuchen Forscher, ob typische Laborwerte für eine gestörte Darmbarriere bei Betroffenen verändert sind.
Frage 2: Welche Biomarker wurden untersucht und was haben die Studien gezeigt?
- Untersucht wurden vor allem Zonulin im Blut und im Stuhl, LBP, sCD14 und i-FABP – Eiweiße, die auf eine gestörte Darmbarriere hinweisen können.
- Eine Studie fand beim Serum-Zonulin keinen Unterschied zwischen Alopezie-Patienten und gesunden Kontrollen.
- Für fäkales Zonulin, LBP, sCD14 und i-FABP gibt es bei Alopezie bislang gar keine Studiendaten.
- Lediglich der Wert Claudin-3, ein anderer Marker für die Darmbarriere, war in einer Studie bei Betroffenen erhöht.
Frage 3: Welche Rolle spielen Mikrobiom und Immunsystem?
- Mehrere Übersichtsarbeiten beschreiben eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien (Dysbiose) bei Alopecia areata.
- Diese Dysbiose wird mit einer gestörten Immunregulation in Verbindung gebracht.
- Ein direkter Nachweis, dass dabei auch die klassischen Darmbarriere-Marker erhöht sind, fehlt jedoch.
- In anderen Autoimmunerkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Multipler Sklerose sind diese Marker dagegen häufiger erhöht.
Frage 4: Was bedeutet das für Betroffene und was ist noch offen?
- Aktuell gibt es keinen überzeugenden Beleg dafür, dass die untersuchten Darmbarriere-Marker bei Alopezie pathologisch erhöht sind.
- Auch die Messmethoden für Zonulin gelten als methodisch umstritten, da viele Testkits nicht spezifisch genug sind.
- Vor allem zu fäkalem Zonulin, LBP, sCD14 und i-FABP fehlen bei Alopezie bislang jegliche Daten – eine klare Forschungslücke.
- Weitere gezielte Studien sind nötig, um einen möglichen Zusammenhang zwischen Darmbarriere und Alopezie zu klären.
Darmbarriere-Biomarker bei Alopezie – bisher kein klarer Nachweis
1. Fragestellung
- Bisher gibt es keinen klaren Nachweis für pathologisch erhöhte Werte der klassischen Darm-Permeabilitätsmarker, insbesondere Zonulin (Serum/fäkal), LBP, sCD14 und i-FABP, bei Alopezie.
- Eine Ausnahme bildet Claudin-3, das in einer Studie bei Alopecia areata erhöht war.
- Die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Alopezie und pathologischen Werten für die Darm-Permeabilität ist hochaktuell, da die Rolle der Darm-Haut-Achse und des Mikrobioms zunehmend in den Fokus rückt.
- Insbesondere bei Alopecia areata (AA) wird eine Verbindung zu Immunregulation und Darmbarriere diskutiert (Borde & Åstrand 2018; Severino et al. 2025; Sezin et al. 2022; Liu & Liu 2023; Burma & Ramien 2025; Dzwonkowska & Redel 2025; Bain et al. 2022).
- Die wichtigsten Biomarker zur Beurteilung der intestinalen Permeabilität sind Zonulin (Serum/fäkal), Lipopolysaccharid-Bindungsprotein (LBP), lösliches CD14 (sCD14) und intestinales Fettsäure-bindendes Protein (i-FABP).
- Eine aktuelle Studie fand jedoch keine signifikanten Unterschiede im Serum-Zonulin zwischen AA-Patienten und Kontrollen (Hacınecipoğlu et al. 2022) …
- … während eine andere Arbeit erhöhte Claudin-3-Werte als Marker für gestörte Barrierefunktion bei AA identifizierte (Rafik et al. 2023).
- Studien zu LBP, sCD14 oder i-FABP bei Alopezie fehlen bislang.
- In verwandten Autoimmunerkrankungen wie IBD oder MS sind diese Marker teils erhöht (Maghfour et al. 2021; Fasano 2020; Jing et al. 2023; Cámara-Lemarroy et al. 2020), was auf einen möglichen Zusammenhang hindeutet.
- Insgesamt bleibt die Evidenzlage für einen direkten Zusammenhang zwischen Alopezie und pathologischer Darmpermeabilität schwach.
2. Methoden
- Für diese Übersicht wurden über 170 Millionen wissenschaftliche Publikationen in Consensus durchsucht, darunter Datenbanken wie Semantic Scholar und PubMed.
- Insgesamt wurden 754 Arbeiten identifiziert, davon 50 nach Relevanz ausgewählt und 15 in diese Analyse eingeschlossen.
- Es wurden sechs gezielte Suchgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten verwendet, um die Evidenz möglichst umfassend abzubilden.
3. Ergebnisse
3.1 Direkte Untersuchungen bei Alopezie
- Eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie verglich Serum-Zonulin-Werte zwischen AA-Patienten und gesunden Kontrollen; es zeigte sich kein signifikanter Unterschied (Median AA: 46,38 ng/mL vs. Kontrolle: 50,34 ng/mL; p=0,828) (Hacınecipoğlu et al. 2022).
- Auch bestand kein Zusammenhang mit dem Schweregrad der Erkrankung.
- Fäkales Zonulin wurde nicht untersucht.
- Eine weitere Studie fand jedoch signifikant erhöhte Claudin-3-Spiegel im Plasma von AA-Patienten im Vergleich zu Kontrollen; dieser Wert korrelierte zudem mit dem Schweregrad der Erkrankung (Rafik et al. 2023).
- Claudin-3 ist ein Marker für Tight-Junction-Integrität und damit ein Indikator für gestörte Barrierefunktion.
3.2 Mikrobiom & Immunologie
- Mehrere Übersichtsarbeiten beschreiben eine Dysbiose des Darmmikrobioms bei AA sowie Hinweise auf eine gestörte Immunregulation durch Veränderungen der Barrierefunktion (Borde & Åstrand 2018; Severino et al. 2025; Sezin et al. 2022; Liu & Liu 2023; Burma & Ramien 2025; Dzwonkowska & Redel 2025; Bain et al. 2022).
- Ein direkter Nachweis erhöhter klassischer Permeabilitätsmarker fehlt jedoch.
3.3 Biomarker in verwandten Erkrankungen
- In anderen Autoimmunerkrankungen wie IBD oder MS sind Zonulin (Serum/fäkal), LBP, sCD14 und i-FABP teils signifikant erhöht (Fasano 2020; Jing et al. 2023; Cámara-Lemarroy et al. 2020).
- Diese Marker werden als Surrogatparameter für Barrierestörungen genutzt – ihre Aussagekraft ist jedoch methodisch umstritten (Massier et al. 2020; Scheffler et al. 2018; Power et al. 2021; Vanuytsel et al. 2021).
3.4 Methodische Aspekte & Validität der Marker
- Die Spezifität kommerzieller ELISA-Kits zur Messung von Zonulin ist fraglich; oft werden verwandte Proteine detektiert (Massier et al. 2020; Scheffler et al. 2018; Vanuytsel et al. 2021).
- Fäkales Zonulin scheint nur in bestimmten Populationen aussagekräftig zu sein (Fadzuli et al. 2024; Seethaler et al. 2021).
Konsens-Meter
- Übersicht der Studienmeinungen zur Frage, ob Alopezie mit pathologischen Darmpermeabilitätsmarkern assoziiert ist.
- Anzahl der Studien: zu gering, um eine belastbare Konsensaussage zu treffen (laut PDF: weniger als 5 direkt antwortende Arbeiten gefunden).
Claims and Evidence Table
| Claim | Evidence Strength | Reasoning | Papers |
|---|---|---|---|
| Kein signifikanter Unterschied im Serum-Zonulin bei AA vs. Kontrolle | Strong | Gut designte Fall-Kontroll-Studie mit ausreichender Fallzahl; keine Erhöhung nachweisbar | (Hacınecipoğlu et al. 2022) |
| Erhöhtes Claudin-3 im Plasma korreliert mit AA-Schweregrad | Moderate | Signifikanter Unterschied in kleiner Studie; plausible Pathophysiologie | (Rafik et al. 2023) |
| Keine Daten zu LBP/sCD14/i-FABP bei Alopezie | Moderate | Keine Studien gefunden; indirekte Hinweise aus anderen Autoimmunerkrankungen | [unklar] |
| Dysbiose des Mikrobioms spielt Rolle in AA | Moderate | Mehrere Reviews/Übersichten zeigen Assoziation | (Borde & Åstrand 2018; Severino et al. 2025; Sezin et al. 2022) |
| Methodische Limitationen der Zonulin-Messung | Strong | Konsistente Kritik an ELISA-Spezifität in mehreren Arbeiten | (Massier et al. 2020; Scheffler et al. 2018; Vanuytsel et al. 2021) |
| In anderen Autoimmunerkrankungen sind die Marker teils erhöht | Strong | Starke Evidenz aus IBD/MS/Graves/Depression etc., aber Übertragbarkeit auf AA unklar | (Fasano 2020; Jing et al. 2023; Cámara-Lemarroy et al. 2020) |
4. Zusammenfassung
- Zusammenfassend gibt es derzeit keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass klassische Biomarker der intestinalen Permeabilität wie Zonulin (Serum/fäkal), LBP, sCD14 oder i-FABP bei Alopezie pathologisch erhöht sind.
- Eine Ausnahme bildet Claudin-3 als potenziell relevanter Marker bei Alopecia areata.
- Die methodische Validität insbesondere von Zonulin-Messungen bleibt kritisch zu bewerten.
- Forschungslücken bestehen vor allem bei fäkalem Zonulin, LBP, sCD14 und i-FABP, zu denen bei Alopecia areata bislang keine Studien vorliegen.
- Offene Forschungsfragen betreffen unter anderem, ob fäkale Permeabilitätsmarker bei Alopecia areata verändert sind und wie eine Modulation des Mikrobioms den Krankheitsverlauf beeinflusst.
- Abschließend bleibt festzuhalten: Es gibt aktuell keinen klaren Nachweis für pathologisch erhöhte Werte klassischer Darmpermeabilitätsmarker bei Alopezie – weitere gezielte Studien sind dringend erforderlich.
5. Quellen
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- Bibolar, A. C., Crecan-Suciu, B., Păunescu, R., Nechita, V., Verisezan-Roșu, O., & Micluția, I. (2025). Intestinal Permeability and Depression—A Narrative Review of Selected Blood-Based Biomarkers. International Journal of Molecular Sciences, 26. https://doi.org/10.3390/ijms262010076
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- Cámara-Lemarroy, C., Silva, C., Greenfield, J., Liu, W.-Q., Metz, L., & Yong, V. W. (2020). Biomarkers of intestinal barrier function in multiple sclerosis are associated with disease activity. Multiple Sclerosis Journal, 26, 1340-1350. https://doi.org/10.1177/1352458519863133
- Dzwonkowska, A., & Redel, P. (2025). Gut Microbiota and Autoimmune Alopecia Areata: Current Insights from the Literature. Archiv Euromedica. https://doi.org/10.35630/2025/15/4.021
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- Sezin, T., Abdelaziz, A., Gupta, Y., Isha, M., Chen, J., Brigitte, S., Wang, E., Sanna-Cherchi, S., Zhenpeng, D., Bordone, L., Pérez-Lorenzo, R., & Christiano, A. (2022). 567 Gut dysbiosis is associated with the development of alopecia areata. Journal of Investigative Dermatology. https://doi.org/10.1016/j.jid.2022.05.577
- Turgunov, Y., Ogizbayeva, A., Assamidanova, S., Matyushko, D., Mugazov, M., Amanova, D., Nuraly, S., & Sharapatov, Y. (2025). The Role of I-FABP, REG3α, sCD14-ST, and LBP as Indicators of GI Tract Injury in MODS Patients. Diagnostics, 15. https://doi.org/10.3390/diagnostics15050515
- Vanuytsel, T., Tack, J., & Farré, R. (2021). The Role of Intestinal Permeability in Gastrointestinal Disorders and Current Methods of Evaluation. Frontiers in Nutrition, 8. https://doi.org/10.3389/fnut.2021.717925
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| Type | Name | Papers |
|---|---|---|
| Author | A. Fasano | (Scheffler et al. 2018; Vanuytsel et al. 2021; Selvakumar & Samsudin 2025) |
| Author | S. Mörkl | (Bona et al. 2022) |
| Author | B. Seethaler | (Mogilevski et al. 2024) |
| Journal | Journal of Cosmetic Dermatology | (Borde & Åstrand 2018; Bain et al. 2022) |
| Journal | Frontiers in Immunology | (Seethaler et al. 2021; Bibolar et al. 2025; Mu et al. 2017) |
| Journal | Nutrients | (Vanuytsel et al. 2021; Turgunov et al. 2025) |
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