Sucht man nach den Ursachen von LONG-COVID, dann ist das Leaky-Gut-Syndrom eine rationale Option

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt, Original-Studie

2026-05-13

1) Fragestellung

„Besteht bei Patientinnen und Patienten mit Long COVID eine nachweisbare erhöhte Darmpermeabilität („Leaky Gut“)
Kann diese über biochemische Marker als diagnostischer oder pathophysiologischer Nachweis der Erkrankung dienen?“

  • Millionen Menschen leiden an Long Covid.
  • Wie kann man diese Krankheit biochemisch beweisen oder widerlegen? Derzeit bleibt sogar dieses diagnostische Frage offen.
  • Der Ansatz dieser Recherche: Gibt es einen Zusammenhang zum Leaky Gut?
  • Diese Frage führt auf eine heiße Spur.

2) Methode

Recherche

  • Für diesen Überblick wurden über 170 Millionen wissenschaftliche Publikationen durchsucht
  • Datenbanken wie Semantic Scholar und PubMed
  • Insgesamt wurden 1200 relevante Arbeiten identifiziert, gescreent und als geeignet bewertet;
  • davon wurden 50 Arbeiten in diese Analyse aufgenommen.
  • Es wurden 6 verschiedene Suchstrategien parallel verwendet, um Grundlagenforschung, Mechanismen, Interventionen sowie widersprüchliche Befunde zu erfassen.
  • consensus.app

3) Ergebnisse

Darmpermeabilität und Long COVID:

Ein Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse

  • Die Verbindung zwischen Darmpermeabilität (oft als „leaky gut“ bezeichnet) und Long COVID ist ein aufkommendes Forschungsfeld, das zunehmend Beachtung findet.
  • Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass eine gestörte Darmbarriere und Veränderungen des Mikrobioms sowohl während der akuten COVID-19-Infektion...
  • ... als auch in der postakuten Phase (Long COVID)  
  • ---(Wu et al., 2023; Giron et al., 2021; Mouchati et al., 2023; Sun et al., 2022; Zollner et al., 2024).
  • Marker wie Zonulin, Lipopolysaccharid-bindendes Protein (LBP) und bakterielle Antigene sind bei Long-COVID-Patienten häufig erhöht.
  • Diese Laborwerte korrelieren mit systemischer Entzündung sowie anhaltenden Symptomen wie Fatigue, kognitiven Störungen und gastrointestinalen Beschwerden
  • ---(Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023; Vestad et al., 2022; Sun et al., 2022; Liu et al., 2022).
  • Die Forschung betont, dass eine erhöhte Darmpermeabilität zur Persistenz von Entzündungen beiträgt.
  • Möglicherweise ist es die Ursache für die Entwicklung oder Aufrechterhaltung von Long-COVID-Symptomen
  • ---(Wu et al., 2023; Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023; Sun et al., 2022; Zollner et al., 2024).
  • Gleichzeitig gibt es Hinweise auf therapeutische Ansätze wie Probiotika, die das Darmmikrobiom modulieren und Symptome lindern könnten
  • ---(Andus et al., 2026; Laterza et al., 2023; Horvath et al., 2024).
  • Aktualität: Die Evidenzlage ist weiterhin Gegenstand der Forschung, insbesondere hinsichtlich Kausalität und Langzeitfolgen.

Grafik:

Frage:
Erhöht eine gestörte Darmpermeabilität das Risiko für Long COVID?

Zahl der Studien, die eine Antwort versuchen: N = 10

Antwort Anzahl Prozent
Yes 7 70%
Possibly 3 30%
Mixed 0 0%
No 0 0%
  • Ja: 70%
  • Möglicherweise: 30%
  • Gemischt: 0%
  • Nein: 0%

verschiedene Ebenen der Erforschung:

3.1 Pathophysiologische Mechanismen

  • Mehrere Studien zeigen, dass SARS-CoV-2 die Integrität der Darmbarriere beeinträchtigen kann.
  • Dies führt zu einer erhöhten Permeabilität („leaky gut“), was wiederum die Translokation mikrobieller Produkte ins Blut begünstigt und systemische Entzündungen verstärkt
  • ---(Wu et al., 2023; Giron et al., 2021; Mouchati et al., 2023; Sun et al., 2022).
  • Marker wie Zonulin oder LBP sind bei Patienten mit schwerem Verlauf oder Long COVID signifikant erhöht
  • ---(Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023).

3.2 Zusammenhang mit Long-COVID-Symptomen

  • Erhöhte Darmpermeabilität wurde mit Symptomen wie chronischer Fatigue, kognitiven Einschränkungen („brain fog“) sowie gastrointestinalen Beschwerden assoziiert
  • ---(Andus et al., 2026; Vestad et al., 2022; Plummer et al., 2023; Liu et al., 2022).
  • In Kohortenstudien korrelierte ein Anstieg von Zonulin oder LBP mit dem Auftreten von Post-Acute Sequelae of SARS-CoV-2 (PASC/Long COVID)
  • ---(Mouchati et al., 2023).

3.3 Mikrobiomveränderungen

  • COVID-19 führt zu einer Dysbiose des Darmmikrobioms – gekennzeichnet durch einen Rückgang nützlicher Bakterien (z.B. Faecalibacterium prausnitzii) und eine Zunahme opportunistischer Pathogene
  • ---(Sun et al., 2022; Caliman-Sturdza et al., 2025; Liu et al., 2022).
  • Diese Veränderungen persistieren oft Monate nach Infektion und stehen im Zusammenhang mit anhaltenden Symptomen
  • ---(Vestad et al., 2022; Caliman-Sturdza et al., 2025).

3.4 Therapeutische Ansätze

  • Einzelfallberichte und kleine Interventionsstudien deuten darauf hin, dass Probiotika oder synbiotische Präparate die Darmbarriere stärken und Symptome verbessern können
  • (Andus et al., 2026; Laterza et al., 2023; Horvath et al., 2024).
  • Die Beweiskraft ist jedoch noch begrenzt.

4. Kontroverse

  • #1
  • Die aktuelle Evidenzlage spricht dafür, dass eine gestörte Darmbarriere („leaky gut“) nach SARS-CoV-2-Infektion zur Pathogenese von Long COVID beitragen kann –
  • insbesondere durch Förderung systemischer Entzündung und Persistenz viraler Antigene
  • ---(Wu et al., 2023; Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023; Sun et al., 2022).
  • #2
  • Biomarker wie Zonulin oder LBP könnten zukünftig als diagnostische Hilfsmittel dienen
  • ---(Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023),
  • ...wenngleich größere prospektive Studien fehlen.
  • #3
  • Die Rolle des Mikrobioms ist komplex:
  • Eine reduzierte Diversität sowie ein Mangel an kurzkettigen Fettsäure-produzierenden Bakterien stehen im Zusammenhang mit schwereren Verläufen und längerer Symptomdauer
  • ---(Vestad et al., 2022; Caliman-Sturdza et al., 2025).
  • #4
  • Erste Interventionsstudien mit Probiotika zeigen vielversprechende Resultate hinsichtlich Symptomlinderung und Verbesserung der Barrierefunktion
  • ---(Andus et al., 2026; Laterza et al., 2023),
  • randomisierte kontrollierte Studien sind notwendig.
  • #5
  • Andere Studien fanden hingegen keine signifikanten Unterschiede in klassischen Permeabilitätsmarkern bei Patienten mit/ohne Bauch-Symptome nach COVID-19;
  • dies deutet auf Heterogenität der Pathomechanismen hin
  • ---(Gallo et al., 2024).

Lücken in der Forschung

Topic/Outcome Akute Infektion Long COVID Erwachsene Kinder/Jugendliche Intervention (Probiotika)
Erhöhte Permeabilitätsmarker 9 7 1 4
Mikrobiom-Dysbiose 8 8 1 5
Korrelation Permeabilitätsmarker/Symptome 5 7 Lücke 2
Randomisierte Interventionsstudien Lücke 1 Lücke 1

Fragen und Antworten

Fragen Bestätigung Überlegungen Publikationen
Ist eine erhöhte Darmpermeabilität ist bei Long-COVID-Patienten nachweisbar? Stark Mehrere Kohortenstudien zeigen erhöhte Werte von Zonulin/LBP bei PASC/Long-COVID (Andus et al., 2026; Mouchati et al., 2023; Vestad et al., 2022)
Dysbiose des Mikrobioms persistiert nach COVID-19? Moderat Mikrobiomanalysen belegen reduzierte Diversität & veränderte Zusammensetzung bis Monate nach Infektion (Vestad et al., 2022; Caliman-Sturdza et al., 2025)
Probiotika können Symptome & Barrierefunktion verbessern Moderat Einzelberichte & kleine Studien zeigen positive Effekte; große RCTs fehlen (Andus et al., 2026; Laterza et al., 2023)
Zeigen alle Patienten mit Bauch-Symptomen erhöhte Permeabilitätsmarker? Moderat Einzelne Studien finden keine signifikanten Unterschiede zwischen Subgruppen (Gallo et al., 2024)
Korrelieren erhöhte Permeabilitätsmarker mit systemischer Entzündung? Moderat Korrelation zwischen LBP/Zonulin & CRP/IL-6/höherer Mortalität (Mouchati et al., 2023)
Ist der Kausalzusammenhang zwischen leaky gut & Long COVID bereits vollständig belegt? schwach Meist Querschnittsdaten; Längsschnittstudien & Interventionsnachweise fehlen (Zollner et al., 2024)

Zentrale Aussagen zum Thema Darmpermeabilität & Long COVID samt Evidenzbewertung.

4) Folgerungen

Die Literatur zeigt den Zusammenhang:
  • einerseits: erhöhte Darmpermeabilität, Dysbiose des Mikrobioms ...
  • andererseits das Auftreten und Fortbestehen von Long-COVID-Symptomen.
Dazu gehören:
  • vorangig Fatigue,
  • kognitive Einschränkungen
  • sowie gastrointestinale Beschwerden.
  • Biomarker wie Zonulin oder LBP könnten künftig zur Diagnostik beitragen;
  • therapeutische Ansätze wie Probiotika sind vielversprechend, aber noch leider nicht ausreichend untersucht.

FIGURE Matrix zu Forschungslücken: Themen vs. Population/Studientyp.

Abschließend bleibt festzuhalten:

  • Ja, das Phänomen der gestörten Darmbarriere bei Long COVID ist bereits jetzt plausibel belegt.
  • Unklar bleibt derzeit, ob das Drama der Long-Covid-Patienten dadurch ausgelöst wird, doch es ist denkbar. 
  • Die zukünftige Beweisführung könnte durch eine Besserung des Long Covid nach Sanierung der Darmbarrrieren erbracht werden.
  • Eine gezielte Forschung ist dringend erforderlich, am besten durch eine solche Reparatur der Darmbarriere.
  • Eine geglückte Intervention mit dem Zonulin-Blocker NANA10 ®  könnte durch Laborwerte (wie LBP, Zonulin und sCD14) überprüft werden.

Quellenangaben

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  2. Andus, I., Büttner, J., Bochow-Fitzner, B., Tacke, F., & Jochum, C. (2026). Intestinal permeability correlated with chronic fatigue in a patient with long COVID—A case report and overview of the literature. Frontiers in Medicine, 13. https://doi.org/10.3389/fmed.2026.1725242
  3. Caliman-Sturdza, O., Hamamah, S., Iatcu, O., Lobiuc, A., Bosancu, A., & Covașă, M. (2025). Microbiome and Long COVID-19: Current Evidence and Insights. International Journal of Molecular Sciences, 26. https://doi.org/10.3390/ijms262010120
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  6. Giron, L., Dweep, H., Yin, X., Wang, H., Damra, M., Goldman, A., Gorman, N., Palmer, C., Tang, H., Shaikh, M., Forsyth, C., Balk, R., Zilberstein, N., Liu, Q., Kossenkov, A., Keshavarzian, A., Landay, A., & Abdel-Mohsen, M. (2021). Plasma Markers of Disrupted Gut Permeability in Severe COVID-19 Patients. Frontiers in Immunology, 12. https://doi.org/10.3389/fimmu.2021.686240
  7. Hilpert, K. (2021). Is the Gut Microbiome a Target for Adjuvant Treatment of COVID-19? Biologics. https://doi.org/10.3390/biologics1030017
  8. Horvath, A., Habisch, H., Prietl, B., Pfeifer, V., Balazs, I., Kovacs, G., Foris, V., John, N., Kleinschek, D., Feldbacher, N., Grønbæk, H., Møller, H., Žukauskaitė, K., Madl, T., & Stadlbauer, V. (2024). Alteration of the Gut–Lung Axis After Severe COVID-19 Infection and Modulation Through Probiotics: A Randomized, Controlled Pilot Study. Nutrients, 16. https://doi.org/10.3390/nu16223840
  9. Kozlov, K., Zhdanov, K., Ratnikova, A., Ratnikov, V., Tishkov, A., Grinevich, V., Kravchuk, Y., Miklush, P., Nikiforova, P., Gordienko, V., Popov, A., & Andryukov, B. (2023). Hepatobiliary system and intestinal injury in new coronavirus infection (COVID-19): A retrospective study. World Journal of Clinical Cases, 11, 2226 - 2236. https://doi.org/10.12998/wjcc.v11.i10.2226
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  13. Plummer, A., Matos, Y., Lin, H., Ryman, S., Birg, A., Quinn, D., Parada, A., & Vakhtin, A. (2023). Gut-brain pathogenesis of post-acute COVID-19 neurocognitive symptoms. Frontiers in Neuroscience, 17. https://doi.org/10.3389/fnins.2023.1232480
  14. Sun, Z., Song, Z., Liu, C., Tan, S., Lin, S., Zhu, J., Dai, F., Gao, J., She, J., Mei, Z., Lou, T., Zheng, J., Liu, Y., He, J., Zheng, Y., Ding, C., Qian, F., Zheng, Y., & Chen, Y. (2022). Gut microbiome alterations and gut barrier dysfunction are associated with host immune homeostasis in COVID-19 patients. BMC Medicine, 20. https://doi.org/10.1186/s12916-021-02212-0
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