Der LBP-Test aus dem Blut zeigte die Darm-Schädigung etwas besser als der Zonulin-Test (Stuhlprobe) an.

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt referiert die Studie von SEETHALER et al. aus STUTTGART mit einer Grafik mit Daten aus dieser Original-Studie.

2026-05-08

1) Fragestellung

  • Der Zonulin-Test erschließt die Welt des LEAKY-GUT-Syndroms.
  • Doch das Verfahren ist aufwendig und in einigen Fällen leider nicht praktikabel.
  • Eine Reihe von anderen Laborparameter bieten sich ans Kandidaten an.
  • In Stuttgart wurde von Seethaler eine vergleichende Studie unternommen, die alle Kandidaten am Goldstandard (LAC/MAN-TEST) überprüft hat.

2) Methode

  • Querschnittsstudie 
  • zwei unabhängige Kohorten ein:
  • eine Kohorte nicht-adipöser Personen, die Healthy-Kohorte mit n = 51,
  • sowie eine Kohorte von Personen mit Adipositas, die Obesity-Kohorte mit n = 27.
  • Das Lactulose/Mannitol-Verhältnis, kurz lac/man ratio, wurde bei allen Personen als etablierter Marker der intestinalen Permeabilität bestimmt.
  • Zusätzlich sechs potenzielle Ersatz-Biomarker:
  • Albumin, gemessen im Stuhl,
  • Calprotectin, gemessen im Stuhl,
  • Zonulin, gemessen im Stuhl,
  • intestinal fatty acid binding protein (I-FABP), Plasma
  • lipopolysaccharide binding protein (LBP) Plasma
  • Zonulin, Plasma.
  • Korrelationsanalysen
  • multiple lineare Regressionsmodelle
  • Prüfung auf Korrelation zur etablierten LAC/MAN-RATIO-Methode (Definition im Anhang)
  • Dabei wurde auch ein möglicher Einfluss von ...
  • Alter,
  • Body-Mass-Index (BMI)
  • Geschlecht berücksichtigt.

3) Ergebnisse

Wissenschaftliche Bewertung lac/man ratio

Wissenschaftliche Bewertung: Welches Testsystem kommt dem Goldstandard lac/man ratio am nächsten?

Auf Basis der gezeigten Tabelle ist Plasma-LBP insgesamt der stärkste Kandidat, um dem Goldstandard Lactulose/Mannitol-Ratio — lac/man ratio am nächsten zu kommen.

Bewertungslogik

Kriterium Bedeutung
1. Assoziation mit lac/man ratio Ist der Biomarker statistisch mit dem Goldstandard verbunden?
2. Reproduzierbarkeit in beiden Kohorten Zeigt sich der Zusammenhang sowohl bei Gesunden als auch bei Adipositas?
3. Modellgüte R² Wie viel Varianz des Biomarkers wird durch das Modell erklärt?
Wichtig: Das angegebene beschreibt das gesamte Regressionsmodell, also lac/man ratio plus Alter, BMI und Geschlecht. Es ist daher kein reines Maß für die alleinige Übereinstimmung mit lac/man ratio.

1. Bester Gesamtkandidat: Plasma LBP

Datenlage

Kohorte β für lac/man ratio P-Wert q-Wert
Healthy 0.21 0.001 0.004 0.43
Obesity 169 0.008 0.069 0.78

Bewertung

Plasma-LBP zeigt die stärkste und konsistenteste Verbindung zum lac/man ratio.

In der Healthy-Kohorte ist der Zusammenhang hochsignifikant und bleibt auch nach FDR-Korrektur deutlich relevant. In der Obesity-Kohorte bleibt der Zusammenhang ebenfalls FDR-relevant bei q < 0.1. Gleichzeitig ist die Modellgüte in beiden Gruppen vergleichsweise hoch, besonders in der Adipositasgruppe mit R² = 0.78.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht das für eine robuste Beziehung zwischen intestinaler Permeabilität und systemischer Endotoxin-assoziierter Immunaktivierung. LBP ist biologisch plausibel, weil eine erhöhte Darmpermeabilität den Übertritt bakterieller Komponenten wie LPS begünstigen kann, worauf LBP als systemischer Marker reagiert.

Einschränkung: LBP misst nicht direkt die parazelluläre Permeabilität wie der lac/man-Test, sondern eher eine nachgeschaltete systemische Reaktion auf mikrobielle Translokation. Es ist daher wahrscheinlich kein direkter Ersatz, sondern eher ein funktioneller indirekter Marker.

Urteil 1

Plasma-LBP kommt dem lac/man-Goldstandard in dieser Tabelle am nächsten.


2. Zweitbester Kandidat: Fäkales Zonulin

Datenlage

Kohorte β für lac/man ratio P-Wert q-Wert
Healthy 0.28 0.005 0.069 0.29
Obesity 8.07 0.012 0.069 0.78

Bewertung

Fäkales Zonulin ist ebenfalls ein starker Kandidat. Der Zusammenhang mit lac/man ratio ist in beiden Kohorten statistisch relevant und bleibt jeweils bei q = 0.069 unter der FDR-Schwelle von 0.1.

Besonders auffällig ist die sehr hohe Modellgüte in der Obesity-Kohorte mit R² = 0.78. In der Healthy-Kohorte ist die Modellgüte mit R² = 0.29 moderat.

Biologisch wäre Zonulin als Marker der Tight-Junction-Regulation grundsätzlich sehr nahe am Konzept der intestinalen Permeabilität. Deshalb ist fäkales Zonulin theoretisch näher am Mechanismus des lac/man-Tests als LBP.

Einschränkung: Die Validität vieler kommerzieller Zonulin-Tests ist methodisch umstritten. Zudem wird in der Tabelle nur fäkales Zonulin überzeugend unterstützt; Plasma-Zonulin schneidet deutlich schlechter ab.

Urteil 2

Fäkales Zonulin ist mechanistisch plausibel und statistisch konsistent, aber wahrscheinlich methodisch weniger robust als Plasma-LBP.


3. Mittlerer Kandidat: Fäkales Calprotectin

Datenlage

Kohorte β für lac/man ratio P-Wert q-Wert
Healthy 0.42 0.013 0.069 0.30
Obesity 9.41 0.032 0.129 0.29

Bewertung

Fäkales Calprotectin zeigt in beiden Kohorten einen positiven Zusammenhang mit lac/man ratio. Allerdings erreicht der Zusammenhang in der Obesity-Kohorte nach FDR-Korrektur nicht mehr die Schwelle von q < 0.1.

Die Modellgüte ist in beiden Gruppen relativ stabil, aber nur moderat: R² etwa 0.30.

Calprotectin ist primär ein Entzündungsmarker, insbesondere für neutrophile intestinale Entzündung. Es kann mit Permeabilität assoziiert sein, misst aber nicht direkt die Barrierefunktion.

Urteil 3

Calprotectin ist ein brauchbarer Begleitmarker, aber kein enger Ersatz für lac/man ratio.


4. Schwächere Kandidaten

Fäkales Albumin

Kohorte
Healthy 0.06
Obesity 0.67

Fäkales Albumin zeigt in der Obesity-Kohorte eine relativ hohe Modellgüte, aber in der Healthy-Kohorte praktisch keine relevante Modellleistung. Der direkte Zusammenhang mit lac/man ratio ist nur in der Obesity-Kohorte auffällig.

Bewertung 4a: möglicherweise relevant bei Adipositas oder stärker gestörter Barriere, aber nicht generalisierbar.

Plasma I-FABP

Kohorte
Healthy 0.03
Obesity 0.06

Plasma-I-FABP zeigt in beiden Kohorten eine sehr schwache Modellgüte und keine überzeugende Beziehung zum lac/man ratio.

Bewertung 4b: In dieser Tabelle kein geeigneter Ersatzmarker.

Plasma-Zonulin

Kohorte
Healthy 0.14
Obesity 0.09

Plasma-Zonulin zeigt keine überzeugende Assoziation mit lac/man ratio. In der Healthy-Kohorte ist eher BMI als lac/man ratio relevant.

Bewertung 4c: In diesen Daten klar schwächer als fäkales Zonulin.


Rangfolge der Testsysteme

Rang Testsystem Wissenschaftliche Bewertung
1 Plasma LBP stärkste Gesamtleistung, konsistent in beiden Kohorten, hohe R²-Werte
2 Fäkales Zonulin mechanistisch sehr plausibel, statistisch konsistent, aber methodisch vorsichtig zu bewerten
3 Fäkales Calprotectin stabiler moderater Marker, eher Entzündung als Permeabilität
4 Fäkales Albumin nur in Adipositas stark, nicht robust über beide Gruppen
5 Plasma-Zonulin schwache Übereinstimmung mit lac/man
6 Plasma I-FABP in dieser Analyse kaum geeignet

4) Folgerungen

ZITAT aus der ORIGINALARBEIT
ANFANG: (übersetzt, Layout bearbeitet)

  • Unsere Daten sprechen dafür, dass Plasma-LBP ein vielversprechender Biomarker für die intestinale Permeabilität bei Erwachsenen ist ...
  • ...und dass fäkales Zonulin ein möglicher Biomarker bei übergewichtigen und adipösen Personen sein könnte.

ZITAT ENDE.

Zusammenfassendes Urteil

Wenn man rein datenbasiert bewertet, kommt Plasma-LBP dem lac/man-Goldstandard am nächsten.

Es kombiniert:

  • signifikante Assoziation mit lac/man ratio in beiden Kohorten,
  • FDR-relevante q-Werte,
  • hohe Modellgüte, besonders in der Adipositasgruppe,
  • biologische Plausibilität als Marker bakterieller Translokation bei gestörter Darmbarriere.

Wenn man mechanistisch argumentiert, wäre fäkales Zonulin der naheliegendste Kandidat, weil es näher an der Tight-Junction-Regulation liegt. Die Daten sprechen aber etwas stärker für Plasma-LBP, weil es in beiden Kohorten robuster und mit höherer Gesamtmodellgüte abschneidet.

Endbewertung

Plasma-LBP ist in dieser Tabelle der beste Ersatz- bzw. Näherungsmarker für den lac/man-Test. Fäkales Zonulin ist der wichtigste mechanistische Konkurrent, aber Plasma-LBP wirkt datenbasiert belastbarer.

Quellenangaben

Seethaler B, Basrai M, Neyrinck AM, Nazare JA, Walter J, Delzenne NM, Bischoff SC.
Biomarkers for assessment of intestinal permeability in clinical practice.
Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2021 Jul 1;321(1):G11-G17. doi: 10.1152/ajpgi.00113.2021. Epub 2021 May 19.
PMID: 34009040.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34009040/

Definitionen:

Verständliche Definition: la
c/man-Test

Der lac/man-Test steht für den Lactulose-Mannitol-Test. Er ist ein Funktionstest zur Beurteilung der Darmdurchlässigkeit, also der intestinalen Permeabilität.

Prinzip

Die getestete Person trinkt eine Lösung mit zwei Zuckern:

Zucker Bedeutung
Mannitol kleiner Zuckeralkohol; wird normalerweise gut durch die Darmschleimhaut aufgenommen
Lactulose größerer Zucker; sollte normalerweise nur in sehr geringer Menge durch die Darmbarriere gelangen

Nach dem Trinken wird über mehrere Stunden der Urin gesammelt. Im Urin wird gemessen, wie viel Lactulose und wie viel Mannitol ausgeschieden wurde.

Was misst der Test?

Der entscheidende Wert ist das Verhältnis:

lac/man ratio = Lactulose im Urin / Mannitol im Urin

Dieses Verhältnis zeigt, wie durchlässig die Dünndarmschleimhaut ist.

Interpretation

Befund Bedeutung
Niedrige lac/man ratio normale Darmbarriere
Erhöhte lac/man ratio erhöhte Darmdurchlässigkeit
viel Lactulose im Urin größere Moleküle passieren vermehrt die Darmbarriere
wenig Mannitol im Urin reduzierte Aufnahmefläche oder Schleimhautschädigung möglich

Warum gilt der Test als Goldstandard?

Der lac/man-Test gilt häufig als Referenzmethode, weil er nicht nur einen einzelnen Laborwert misst, sondern die tatsächliche Funktion der Darmbarriere prüft: Es wird getestet, wie gut oder schlecht definierte Moleküle die Darmschleimhaut passieren.

Kurzformulierung

Der lac/man-Test ist ein Trink- und Urintest, bei dem gemessen wird, wie viel Lactulose und Mannitol nach oraler Einnahme im Urin erscheinen. Ein erhöhtes Lactulose/Mannitol-Verhältnis spricht für eine erhöhte Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut.
Übliche Dosis beim lac/man-Test

Übliche Dosis beim lac/man-Test

Es gibt kein weltweit einheitliches Protokoll. In Studien werden vor allem zwei Dosierungen verwendet:

Protokoll Lactulose Mannitol Flüssigkeit
Klassisches LMR-Protokoll 5 g 2 g ca. 100 ml Wasser
Häufiges alternatives / standardisiertes Protokoll 10 g 5 g ca. 200–250 ml Wasser

Das klassische Vorgehen beschreibt die Einnahme von 5 g Lactulose + 2 g Mannitol nach nächtlichem Fasten. Danach wird über mehrere Stunden Urin gesammelt. Quelle

Andere Studien und Testkits verwenden 10 g Lactulose + 5 g Mannitol, ebenfalls nüchtern, meist mit 3–6 Stunden Urinsammlung. Quelle

Praktische Kurzantwort

Für Erwachsene lautet eine häufig zitierte Standarddosis:

5 g Lactulose + 2 g Mannitol

Eine ebenfalls häufig verwendete Variante ist:

10 g Lactulose + 5 g Mannitol
Wichtig ist: Der Referenzbereich hängt vom verwendeten Laborprotokoll ab. Man sollte daher Dosis, Sammelzeit und Analytik nicht zwischen Laboren vermischen.



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