Sonnencreme gibt keine Sicherheit im Einsatz gegen den schwarzen Hautkrebs

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt referiert.

2026-04-09

1) Fragestellung

  • Angeblich ist Sonne für den schwarzen Hautkrebs verantwortlich: das Maligne Melanom
  • Angeblich schützt Sonnencreme vor Hautkrebs. Wie ist die Studienlage dazu?
  • Eine große Zahl von Studien wurde unternommen, sie wurden sogar mehrfach zu Meta-Studien zusammengefasst.
  • Diese Serie von Übersichtsarbeiten soll jetzt hier ausgewertet werden.

2) Methode

  • META-META-Analyse
  • Multi-Center Studien
  • consensus.app
  • Forrest-Plot

3) Ergebnisse

Meta-Analysen zu Sonnencreme und Melanom

Gesamtbild:
  • Mehrere Meta-Analysen und ein großer systematischer Review kommen insgesamt zu dem Ergebnis:
  • ... es gibt keinen klaren Nachweis für eine Risikoerhöhung durch Sonnencreme.
  • Gleichzeitig ist auch in der Allgemeinbevölkerung kein klarer Schutzeffekt widerspruchsfrei belegt.

Wichtige Meta-Analysen und Reviews

Studie Typ Umfang Kernaussage
Xie et al. 2015 Meta-Analyse 21 Studien, 7150 Melanome Gepooltes relatives Risiko: RR 1,15 (95% CI 0,91–1,44); kein signifikanter Effekt, hohe Heterogenität.
Saes da Silva 2018 Meta-Analyse 29 Studien, 10.670 Fälle Im Gesamtbild kein konsistenter signifikanter Zusammenhang zwischen Sonnencreme-Nutzung und Melanom.
Rueegg et al. 2019 Systematischer Review mit stratifizierter Meta-Analyse 28 Studien, 21.069 Melanome Ergebnisse stark abhängig von Studiendesign und Adjustierung; Hinweise auf Verzerrung durch Confounding.
Dennis 2003 / Gorham 2007 / Huncharek 2002 Frühere Meta-Analysen in Rueegg 2019 zitiert Frühere Arbeiten zeigten teils ORs um 1,0–1,2, aber mit breiten Konfidenzintervallen und hoher Heterogenität.

Stratifizierte Ergebnisse nach Studiendesign (Rueegg et al. 2019)

Studiendesign Effektschätzer Interpretation
Hospital-Fall-Kontroll OR 0,57 (0,37–0,87) Protektiver Zusammenhang
Ökologische Studie Rate Ratio 0,48 (0,35–0,66) Protektiver Zusammenhang
RCT (Nambour) HR 0,49 (0,24–1,01) Protektiv, aber nur grenzwertig signifikant
Bevölkerungs-Fall-Kontroll OR 1,17 (0,90–1,51) Kein klarer Effekt
Kohortenstudien HR 1,27 (1,07–1,51) erhöhtes Risiko, ggf.durch andere Faktoren beeinflusst

Grafik mit Forrest-Plot aus der Studie von Rueegg:

  • Wie in einem "Wald" sind verschieden hohe Pflanzen zu erkennen
  • Auf der Linie zwischen rot und grün sind Ergebnisse als Box dargestellt, die weder hohes noch geringes Risiko ergaben: neutral.
  • Linien im grünen Bereich zeigen ein vermindertes Risiko.
  • Linien im roten Bereich zeigen ein gesteigertes Risiko.
  • Die Ergebnisse sind nicht einheitlich.
  • Es scheint eine Rolle zu spielen, wer die Studie unternimmt.

Weitere zusammengefasste Befunde

  • Vergleich „Sunscreen ever vs. never“ ergab in Xie et al. 2015 ein gepooltes relatives Risiko von RR 1,15 ohne statistische Signifikanz.
  • das ist eine 15 % Steigerung des Risikos
  • Für Melanom allein wurden in älteren Analysen Werte um OR 1,10 (0,92–1,33) berichtet, ebenfalls ohne signifikanten Zusammenhang.
  • Das ist eine 10 % Steigerung des Risikos.
  • Frühere Jahrzehnte zeigten teilweise einen scheinbar erhöhten Zusammenhang bei Nutzern, dieser verschwand in neueren Daten.
  • Die Effektgrößen lagen insgesamt oft im Bereich von OR 1,0–1,2, allerdings bei deutlicher Heterogenität.
  • Das ist eine bis zu  20 % Steigerung des Risikos
Problematischer methodischer Punkt:
  • Hellhäutige, sonnenempfindliche Personen mit höherem Sonnenbrandrisiko benutzen häufiger Sonnencreme und bekommen öfter ein Melanom.
  • Dadurch belasten Sie mit dem vorab bestehenden Risiko das Ergebnis in ihrer Gruppe.

Einfluss von Adjustierungen

  • Wenn Analysen dann statistisch korrigiert werden für Sonnensensibilität, Sonnenexposition, Sonnenbrände und Phänotyp, dann verschieben sich die Zahlen systematisch in Richtung eines geringen Schutzes.

 

4) Folgerungen

  • Bei randomisiertem Studiendesign und statistischen Korrekturen zeigte sich nur ein moderater Schutz sofern die Anwendung korrekt erfolgte.
  • Doch In der Gesamtheit der Beobachtungsstudien ergibt sich eher ein Null-Effekt, der jedoch stark durch Verzerrungen beeinflusst sein kann.
  • Es gibt also keinen klaren Nachweis, dass Sonnencreme das Melanomrisiko erhöhen könnte.

Warum sind aufwendige Studien erfolgreicher? - Eine Hypothese

  • Kann es sein, dass sich für aufwendige Studien durch ein "Hospital" oder "Doppelblind-Studien" vermehrt Risiko-Patienten anwerben lassen.
  • Umgekehrt erfassen die anderen Studien eher die normale Bevölkerung ohne besondere Melanom-Risiken.
  • Für die Risiko-Patienten könnte es einen Nutzen geben.
  • Dem gegenüber könnte die Allgemeinbevölkerung ohne vorliegende Belastung durch Sonnencreme gefährdet werden.

Was zeigen die vielen Studien?

  • Der angebliche "Schutz-Effekt" der Sonnencreme gegen das Melanom ist so schwach, dass auch große Studien von kleinen Störfaktoren dominiert werden.
  • Es gibt keine eindeutige wissenschaftliche Empfehlung zur Sonnencreme.
  • Je nach Rahmenbedingungen der Studie wird die Anwendung teils befürwortet und teils verworfen.
  • Das Konzept "Sicherer Schutz gegen schwarzen Hautkrebs durch Sonnencreme" hat versagt.

Rahmenbedingung Vitamin-D-Spiegel:

Quellenangaben

 

  • Westerdahl J, Ingvar C, Måsbäck A, Olsson H. (2000). Sunscreen use and malignant melanoma. International Journal of Cancer, 87.
  • Xie F, Xie T, Song Q, Xia S, Li H. (2015). Analysis of association between sunscreens use and risk of malignant melanoma. International Journal of Clinical and Experimental Medicine, 8(2), 2378–2384.
  • Saes da Silva 2018. Meta-Analyse zu Sonnencreme-Nutzung und Hautkrebsrisiko.



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