Muss ein hoher Blutdruck nach Schlaganfall mit allen Mitteln abgesenkt werden?

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt, Original-Studie.

2026-03-22

1) Fragestellung

  • Bei Schlaganfall durch Ausfall des Blutstromes ("ischämisch") ist die erste (Fehl)-Einschätzung des Assistenzarztes oft:
  • "Der Blutdruck ist mit 200=100 viel zu hoch und hat den Schlaganfall als hypertensive Krise verursacht."
  • Die Gegenthese ist hingegen, dass der Schlaganfall durch Minderdurchblutung meist bei niedrigem Blutdruck, z.B. in der Nacht oder nach Flüssigkeitsverlust eingetreten ist.
  • Der gemessene hohe Blutdruck ist dann bereits die sinnvolle Rettungsaktion des Körpers, der trotz Hindernis die Hirnzellen versorgen will.
  • Hirnzellen haben nämlich selbst die Fähigkeit, bei Sauerstoff-Mangel den Blutdruck zu steigern.
  • Es wäre fatal, wenn man im Unverständnis dieser Rettungsaktion den Blutdruck senken wollte, weil es die Versorgung verschlechtert.
  • Es gilt daher, den Blutdruck allenfalls vorsichtig und nicht zu stark senken, vor allem wenn erneut Symptome wie Sehstörungen auftreten.

2) Methode

  • Überprüfung der These anhand aktueller Studien
  • Consensus.app

3) Ergebnisse

1) Akutphase nach ischämischem Infarkt (FEHLENDE Durchblutung)

  • Leitlinien empfehlen bei Patienten ohne Thrombolyse/Thrombektomie meist „permissive Hypertonie“ bis ca. 220/120 mmHg; darunter soll der Blutdruck in der Regel nicht aktiv gesenkt werden, außer bei anderen Notfällen (Aortendissektion, akutes Koronarsyndrom etc.) (Ko & Yoon, 2017; Gąsecki et al., 2020; McGurgan et al., 2022; De Georgia et al., 2023).
  • Bei geplanter/erfolgter Lyse oder Thrombektomie gelten Grenzwerte von <185/110 mmHg vor und <180/105 mmHg nach Lyse (Bath et al., 2022; Ko & Yoon, 2017; Gąsecki et al., 2020; De Georgia et al., 2023).

Ein systolischer Blutdruck von 160 mmHg (160/100) sollte nicht routinemäßig gesenkt werden soll (Ko & Yoon, 2017; Gąsecki et al., 2020; McGurgan et al., 2022; De Georgia et al., 2023).

2) Risiko zu starker Senkung (v.a. bei Hypertonikern)

  • Tier- und Human­daten zeigen, dass übermäßige Absenkung die zerebrale Perfusion verschlechtern, Infarktvolumen vergrößern und Erholung verschlechtern kann (Anderson, 2021; Thakkar et al., 2020; Edwards & Hughes, 2021; Zaki et al., 2023; De Georgia et al., 2023).
  • Klassische Fallserie: bei Hypertonikern führte akutes starkes Senken zu Sehstörungen und okzipitalen Infarkten in Grenzzonen; Empfehlung: Blutdruck „etwas über normal“ belassen, wenn unter Senkung visuelle Symptome auftreten (Strandgaard et al., 2009).

3) Praktische Implikation

  • Neue Sehstörungen unter Blutdrucksenkung sind ein Warnsignal für Minderdurchblutung.

4) In der Akutphase sollte dann:

  • sofort ärztlich/neurologisch reevaluiert werden
  • Blutdrucksenkung kritisch beurteilt oder teilweise zurückgenommen werden
  • engmaschig neurologisch überwacht und ggf. bildgebend kontrolliert werden (Anderson, 2021; Ko & Yoon, 2017; Strandgaard et al., 2009; Gąsecki et al., 2020; De Georgia et al., 2023).
  • der maßgebliche Parameter

4) Folgerungen

Fazit

  • Bei 160/100 mmHg nach ischämischem Hirninfarkt und Auftreten von Sehstörungen unter Senkung spricht die Evidenz dafür, nicht aggressiv weiter zu senken,
  • Stattdessen individuell und sehr vorsichtig vorgehen.
  • Doch den Blutdruck als Freund und nicht als Feind zu sehen, bereitet vielen Menschen Schwierigkeiten.
  • In dieser Situation kommt Vitamin D zu Hilfe und bessert die Chancen auf den Erhalt des Gehirngewebes trotz erhöhter Werte beim Blutdruck.

Praktische Erfahrung bei einem thrombo-embolischen Schlaganfall, z.B. bei Vorhof-Flimmern:

  • Unerfahrene Assistenzärzte, die darauf fokussiert sind, mit allen Mitteln einen "normalen Blutdruck" herzustellen, beobachten meist folgendes:
  • Der Blutdruck kann trotz einer  stufenartigen Steigerung auf 4 oder mehr  Blutdruckmittel nur gering gesenkt werden.
  • Im weiteren Verlauf kommt es hingegen unter der Last der Blutdruck-Senkung zu Kollaps-Zuständen mit Werten unter 100/80 RR.
  • Schliesslich müssen alle Blutdruckmittel abgesetzt werden und nach 3 Wochen gehen die Patienten ganz ohne Blutdruckmittel nach Hause.
  • Offensichtlich hat der Körper sich mit einem hohen Blutdruck "repariert" und in den Wochen danach den Blutdruck wieder normalisiert.
  • Es ist vorteilhaft, wenn die Blutdrucksenkung dabei nur moderat gelungen ist.
  • Gefährlich ist hingegen die gewaltsame Absenkung durch Calcium-Antagonisten, bei der der Körper keine Chance zur Gegenregulation mehr hat.
  • "Blinder Eifer schadet nur!" - das gilt auch für die übereifrige Absenkung des Blutdrucks in der Krise wegen mangelnder Durchblutung des Gehirns.

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Der Leser hat das Wort:

"Die Darstellung erklärt mit sehr plausibel, warum mit die stroke-Unit nie gehlfen hat.
Als ich in der stroke-unit war, wurde immer gewaltsam abgesenkt.
Für eine Auflösung des Embolus sei es angeblich immer zu spät gewesen, obwohl ich doch noch gehen konnte.
Nicht nur akut nach dem Schlaganfall wurde außer Blutdruck-Senkung nichts gemacht.
Auch bei späteren Aufenthalten hieß es immer nur "Blutdruck-Senken", was zur Folge hatte, dsss ich jeweils zu Fuß reingegangen bin und im Rollstuhl wieder rausgerollt wurde.
Erst als die Blutdruck-Senkung auf die angeblichen Normalwerte unterblieb, kamen verschiedene Fähigkeiten bis zum nächsten Morgen zurück."

Quellenangaben

  1. Bath, P., Song, L., Silva, G., Mistry, E., Petersen, N., Tsivgoulis, G., Mazighi, M., Bang, O., & Sandset, E. (2022). Blood Pressure Management for Ischemic Stroke in the First 24 Hours. Stroke, 53, 1074 - 1084.
    https://doi.org/10.1161/strokeaha.121.036143
  2. Anderson, C. (2021). Progress towards optimizing blood pressure control after reperfusion therapy for acute ischemic stroke. European Journal of Neurology, 28.
    https://doi.org/10.1111/ene.14808
  3. Thakkar, P., McGregor, A., Barber, P., Paton, J., Barrett, C., & McBryde, F. (2020). Therapeutic Relevance of Elevated Blood Pressure After Ischemic Stroke in the Hypertensive Rats. 75, 740 - 747.
    https://doi.org/10.1161/hypertensionaha.119.14219
  4. Ko, S., & Yoon, B. (2017). Blood Pressure Management for Acute Ischemic and Hemorrhagic Stroke: The Evidence. Seminars in Respiratory and Critical Care Medicine, 38, 718 - 725.
    https://doi.org/10.1055/s-0037-1608777
  5. Edwards, M., & Hughes, T. (2021). Managing blood pressure in acute cerebral infarction. Journal of Neurology, 268, 2294 - 2296.
    https://doi.org/10.1007/s00415-021-10622-6
  6. Strandgaard, S., Andersen, G., Ahlgreen, P., & Nielsen, P. (2009). Visual disturbances and occipital brain infarct following acute, transient hypotension in hypertensive patients. Acta Medica Scandinavica, 216(4), 417-22.
    https://doi.org/10.1111/j.0954-6820.1984.tb03826.x
  7. Gąsecki, D., Kwarciany, M., Kowalczyk, K., Narkiewicz, K., & Karaszewski, B. (2020). Blood Pressure Management in Acute Ischemic Stroke. Current Hypertension Reports, 23.
    https://doi.org/10.1007/s11906-020-01120-7
  8. Zaki, H., Lloyd, S., Elmoheen, A., Bashir, K., Elsayed, W., Abdelrahim, M., Basharat, K., & Azad, A. (2023). Antihypertensive Interventions in Acute Ischemic Stroke: A Systematic Review and Meta-Analysis Evaluating Clinical Outcomes Through an Emergency Medicine Paradigm. Cureus, 15.
    https://doi.org/10.7759/cureus.47729
  9. McGurgan, I., Kelly, P., Turan, T., & Rothwell, P. (2022). Long-Term Secondary Prevention: Management of Blood Pressure After a Transient Ischemic Attack or Stroke. Stroke, 53, 1085 - 1103.
    https://doi.org/10.1161/strokeaha.121.035851
  10. De Georgia, M., Bowen, T., Duncan, K., & Chebl, A. (2023). Blood pressure management in ischemic stroke patients undergoing mechanical thrombectomy. Neurological Research and Practice, 5.
    https://doi.org/10.1186/s42466-023-00238-8



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