"Blockierter Vitamin-D-Rezeptor" als neue Diagnose?


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1) Nachfrage bei BIOMED24: bislang negativ!

Ich wurde auf diesen "neuen Test" aufmerksam gemacht:

http://www.zellstress.de/stoffwechseltest/vitamin-d-blockade/

(keywords:  Vitamin-D-Irrtum,  bei blockiertem Vitamin-D-Rezeptor ...,  lebensbedrohliche gesundheitlichen Schäden ... )

Bislang war inklusive aller Publikationen noch nie etwas von einem derartigen Test-System zu hören.
Ich habe daraufhin die Betreiber der Webseite angeschrieben und diese Fragen gestellt:

  1. Welches Verfahren wird angewendet um zu testen?
  2. Wie wird der Test validiert?
  3. Gibt es eine Publikation zu der Methode?

Leider ist bis heute keine Antwort erfolgt. So gehe ich bis auf Weiteres von einem "Labor-Fake" aus.

2) Laienhafte Fehler von Satz zu Satz:

Zitat des ersten Absatzes aus:
http://biomed24.net/index.php/de/biologische-medizin/12-stoffwechseltests/43-der-vitamin-d-irrtum

"Der Irrtum vom scheinbar so häufigen "Vitamin-D-Mangel" ist weit verbreitet. "

 

Einwand VitaminDelta:  Unlogisch: der Vitamin-D-Mangel ist kein Irrtum, er wird täglich nachgewiesen. Wollte der Autor etwas anderes sagen?
Wir dürfen  an dieser Stelle raten! Ist es der
a) Irrtum von einem Mangel, der gar keiner ist oder ist es
b) ein nukleärer Vitamin-D-Mangel, der trotz hoher Vitamin-D-Spiegel nicht erkennbar ist?
Fehlen die sprachlichen Möglichkeiten?

 

Zitat:

Das Hauptproblem liegt darin, dass bei vielen Betroffenen das Vitamin-D in den Zellen nicht ankommt, also auf Zellebene nicht wirken kann. 

 

Einwand VitaminDelta:  Vitamin D kommt in der Zelle an, das ist nachweisbar. Der eigentliche Wirkort sind die nukleären Rezeptoren. Im zitierten Satz wird Zellkern mit Zelle gleichgesetzt. Wer hier etwas erläutern will, sollte den Unterschied nicht schon im zweiten Satz durcheinanderbringen. Fehlt die Orientierung in der zellulären Biochemie?

 

Zitat:

Erstaunlicherweise ist dabei, dass das Vitamin-D erhöht ist. 

 

Einwand VitaminDelta: Unlogisch und inkonsistent: Wenn Vitamin D (durch einen noch zu erklärenden Mechanismus) erhöht ist, wieso kann man dann den Mangel nachweisen? Genau davon (einem Vitamin-D-Mangel), wird jedoch im ersten Satz gesprochen! 

 

Zitat:

Leider ist es immer noch Standard, die Speicherform des Vitamin-D zu messen, also nicht das aktive, eigenlich (Schreibfehler im Original. Richtig = eigentlich)wirksame Vitamin-D. 

 

Einwand VitaminDelta: Das aktive VitaminD (1,25-Cholecalciferol) kann problemlos in jedem Labor gemessen werden, doch unterliegt es schnellen Oszillationen, es reflektiert nur die Aktivität des Tages. Das passive Vitamin D (25-Cholecalciferol) zu messen ist sehr sinnvoll, weil daraus gute Prognosen abzuleiten sind. Ohne einen vollen Tank mit passivem Vitamin D kann auch kein aktives Vitamin D erzeugt werden. Die „Tankanzeige“ genügt dem Autofahrer. Nur wenn das Auto trotz vollen Tanks nicht fährt muss man die Benzinleitung prüfen.

 

Zitat:

Noch erstaunlicher ist es, dass das wirksame Vitamin-D bei unten ganannten (Schreibfehler im Original. Richtig = genannten) Krankheitbildern (Schreibfehler im Original. Richtig = Krankheitsbildern)in der Regel erhöht ist. 

 

Einwand VitaminDelta: Es sind auf der Webseite lange Listen von "Keywords" angeführt. Auch unter den dortigen Quellverweisen finden sich keine Fakten zu dieser Behauptung. Bekannte Publikationen zeigen sogar das Gegenteil.

 

Zitat:

Weil also der Vitamin-D-Rezeptor an den Zellwänden blockiert ist, entsteht der Eindruck eines Vitamin-D Mangels. 

 

Einwand VitaminDelta: der Vitamin-D-Rezeptor befindet sich nicht an den Zellwänden. Ein grober Fehler im Manuskript. Er lässt auf Ahnungslosigkeit des Verfassers schließen. Wenn Vitamin D tatsächlich fehlen würde, dann würde Vitamin D nicht gebunden und sogar vermehrt zirkulieren. Dann entstünde kein besonders niedriger, sondern ein besonders hoher Wert. Wohin soll diese Argumentation führen?

 

Zitat:

Das größte Problem betrifft allerdings die Therapie: Die Verwendung von Vitamin-D-Präparaten kann bei blockiertem Vitamin-D-Rezeptor zu lebensbedrohlichen gesundheitlichen Schäden führen (s.u.).

 

Einwand VitaminDelta: Welche Therapie ist gemeint? Wo ist der faktische Nachweis für diese Panikmache? Es hört sich in meinen Augen an wie: „Wer seinen Autoreifen auf den vorgeschrieben Reifendruck aufpumpt, muss mit lebensbedohlichen Schäden rechnen!“ Ein absurder Satz. Von der Rezeptor-Forschung gilt: Ja! Eine Blockade von biologischen Rezeptoren ist möglich und ist dann stets über eine Dosis-Steigerung zu beherrschen. Es gilt einfach die Regel, dass ein falsch besetzter Rezeptor durch den Druck des angebotenen Stoffes wieder "freigeputzt" werden kann. Nicht in der Gabe eines passenden Wirkstoffes liegt das Problem, sondern in der Unterdosierung. Beispiel: Wer bei hohem Blutdruck zu viel Adrenalin im Körper hat, kann dieses Adrenalin durch den legendären Beta-Rezeptoren-Blocker „Betablocker“ zur Seite drängen. Steigt das Adrenalin weiter an, verliert der Betablocker wieder seine Ankopplung. "Powerplay statt Unterdosierung" ist die Regel für den Umgang mit allen blockierten Rezeptoren.

3. Diese Webseite wiederlegt sich selbst:

  • Es gibt keine Referenzen für diesen Test. Die genannten Referenzen verweisen nicht auf Fakten.
  • Anfragen zum Test werden nicht beantwortet.
  • Die Erläuterungen zum Mechanismus erzielen durch ein Feuerwerk von "Keywords" bekannter Erkrankungen große Internet-Aufmerksamkeit. Ein logisches Konzept fehlt! Ganz im Gegenteil: hier passt kein Satz zum anderen. Die Sätze sind auch in-sich nicht konsistent.
  • Ein Konzept der Verunsicherung ("lebensbedrohlich"), das Einkünfte für (genial neue?) Laboruntersuchungen generieren soll, ist nicht dargelegt. Mit jedem einzelnen Satz geht die zitierte Darstellung an den anerkannten biochemischen Grundlagen der Vitamin-D-Rezeptoren vorbei.

4. Verunsicherung als Geschäftsmodell

  • Wenn die Zahl der Blutuntersuchungen zum Vitamin-D-Spiegel rasant ansteigt, dann ist es ein höchst interessantes Geschäftsmodell, etwas zu erfinden, das "besser" ist.
  • Warum wissen die renommierten Vitamin-D-Forscher nichts davon?
  • Warum gibt es dazu keine einzige Publikation in Pubmed.gov ?
  • Wer angesichts eines erwiesenen Vitamin-D-Mangels davor warnt, Vitamin D zu nehmen, der setzt sich dem Verdacht aus, dass ihm die erhöhte Sterblichkeit beim Vitamin-D-Mangel egal ist!

 


Anhang:

Es folgt die wissenschaftliche Quelle für die nachgewiesene signifikante Verknüpfung von Mortalität und Vitamin-D-Spiegel in Deutschland.

Autoren: Zittermann A, von Helden R, Grant W, Kipshoven C, Ringe JD. 

Titel: An estimate of the survival benefit of improving vitamin D status in the adult german population.

freier Zugang: Dermatoendocrinol. 2009 Nov;1(6):300-6. doi: 10.4161/derm.1.6.10970. PubMed PMID:21572875 PubMed Central PMCID: PMC3092570

Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3092570/

keywords:

Vitamin-D-Rezeptorblockade, Vitamin-D-Rezeptor, biomed, biomed24, biomed24.net , vitaminD-irrtum, 


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