BUCH: Untersuchungen über Vitamin D - Anreicherung in der Milch (1930)

Aus dem physikalischen Institut der Preußischen Versuchs-und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft, Kiel

Aus dem Inhalt:


Die RACHITIS ist eine außerordentlich verbreitete Kinderkrankheit, die hauptsächlich im ersten und zweiten Lebensjahr, also zur Zeit des schnellen Wachstums auftritt.
Ihre Verbreitung ist einmal abhängig von gewissen geographischen Breitengraden. 
(...) Endlich ist das Auftreten der RACHITIS von der Jahreszeit abhängig. Die häufigsten Erkrankungen fallen in die lichtarmen Wintermonate.
Das Wesen der RACHITIS besteht in erster Linie in einem gestörten Kalkstoffwechel, der sich darin äußert, das die wachsenden Knochen die normale Kalkeinlagerung sistiert und die Knorpelzonen des Skeletts unverkalkt bleiben. Krankhafte Veränderungen es Knochenbaus sind die unausbleibliche Folge davon. Ihre ganze Gefährlichkeit bekommt die RACHITIS nach Prof. Scheer erst dadurch, dass die erkrankten Kinder in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen andere Infektionskrankheiten, wie z.B. Masern, Keuchhusten usw. sehr geschwächt werden.
Die seit lange bekannte Heilungsmöglichkeit ließ diese Krankheit als Avitaminose erscheinen, d.h. eine Krankheit deren Ursprung auf das Fehlen gewisser, chemisch noch nicht definierbarer Stoffe in der Nahrung zurückzuführen ist. 
(...) Andererseits ist von Alters her der günstige Einfluss der Sonnenstrahlung auf die RACHITIS bekannt. Durch die bahnbrechenden Forschungen Hudschinskys auf diesem Gebiet, der rachitische Kinder durch Bestrahlung mit der Quecksilberlampe in kurzer Zeit heilen konnte, bekam das alte Volksheilmittel "LIcht" eine exakte wissenschaftliche Grundlage und Hudschinsky wurde so der eigentliche Begründer der Heliotherapie der RACHITIS. Den Amerikanern Heß und Steenbok gelang es unabhängig voneinander, die beiden scheinbar so sehr verschiedenen Faktoren der Rachitisheilung, das Vitamin D und die Lichtwirkung, auf eine Linie zu bringen. Sie machten nämlich die außerordentliche wichtige Feststellung, dass gewisse fetthaltige Nahrungstoffe, die unbehandlet keine Wirkung im antirachitischen Sinne zeigten, durch Bestrahlung im hohen Maße anti-rachitische Eigenschaften erlangten. Diese Entdeckung ließ letzendlich den Schluss zu, dass auch die Heliotherapie auf eine Vitaminwirkung zurückgeführt werden kann, indem der Körper selbst die als wirksam erkannten ultravioletten Strahlen das anti-rachitische Vitamin (...) D gebildet wird.  
(...) Bei der überragenden Bedeutung der Milch für die Ernährung im Kindesalter war es selbstverständlich, dass man sofort die Frage der Anreicherungsmöglichkeit dieses Hauptnahrungsmittels der Kleinkinder, mit Vitamin D prüfte. Die Versuche, die in dieser Richtung unternommen wurden, hatten vollen Erfolg. 

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