Heftiger Streit- Vitamin D für Kinder - ja oder nein? (wiss. Diskussion)

Dr. med. Raimund von Helden, Hausarzt, 57368 Lennestadt

2018-06-16

1) Fragestellung

Immer wieder treten Institutionen der Medizin mit der wiederkehrenden These an die Öffentlichkeit, dass die Einnahme von "Vitamin D im Prinzip unnötig" sei. Es ist zu klären, ob alle Kinderärzte in Detuschland bei diesem Prinzip "Vitamin D  ist unnötig" bleiben sollten. Die Frage ist, ob sie besser zum Gegenteil wechseln sollten: "Vitamin D ist im Prinzip nötig".

2) Methode

Der journalistische Beitrag in der Medical Tribune zum Thema referiert eine Publikation der deutschen Kinderärzte zum Thema. Die von der MT dargestellten Positionen der Kinderärzte werden hier kritisch gelesen, hinterfragt und kommentiert.

3) Ergebnisse

Das in der Vorlage propagierte Prinzip "Vitamin-D-Gabe ist unnötig für Kinder" stößt auf enge Grenzen. Hier sind die Einwände, die sich gegen dieses Prinzip ergeben:

  1. Viele Kinder haben bereits einen Mangel, wie der Beitrag einräumt. Warum nicht alle versorgen?
  2. Die Chance auf einen Schutz gegen Asthma, Krebs und Diabetes wird mit der Position "kein Vitamin D geben" vertan.
  3. Kinder können mit 2 Jahren nicht mehr Vitamin D bilden als zuvor, warum es dennoch absetzen?
  4. Die vorhandene Erkenntnis einer höheren (!) Dosis bei Frühgeborenen spricht für die Unterdosierung der älteren Kinder.
  5. Der Zielbereich "20 ng/ml bis ..." verleugnet die Risiken, die unterhalb von 40 ng/ml regelmäßig belegt wurden.
  6. Die Kern-Frage nach der optimalen Versorgung und dem optimalen Vitamin-D-Spiegel wird ausgeblendet.
  7. Die regelmäßige Sonnenlichtexposition wird wiederholt empfohlen, obwohl dies bei Eltern regelmäßig als "Hautkrebs-Risiko" abgewehrt wird.
  8. Die landesübliche intensive Anwendung von Sonnenschutz wird nicht als Blockade der Vitamin D-Versorgung benannt.
  9. Die (5-30 min)-Versorgung mit Sonnenlicht wird als effektivste Methode dargestellt, obwohl demgegenüber die Tabletten-Einnahme nur eine Sekunde dauert.
  10. Der Konsum von Aal und Seefisch wird als Ausweg genannt, obwohl hier ein gesteigerter Konsum weder machbar, bezahlbar, noch wünschenswert ist.
  11. Die Messung des Vitamin-D-Spiegels wird negativ dargestellt, obwohl es der häufigste pathologische Laborwert in Deutschland ist.
  12. Das Prinzip "Vitamin D ist unnötig" wird mit einer Text-Box "Risikogruppen" ergänzt: Behinderung, geringe Sonne, Migration etc., alles völlig zutreffende Risiken. Die Summierung dieser Risikogruppen macht deutlich, dass diese Risiko-Kinder in der Mehrheit sind.

4) Folgerungen

  • Der Beitrag der Kinderärzte wendet sich gegen "Vitamin D für alle"
  • Aus den Inkonsistenzen in der Darstellung wird deutlich, dass die Empfehlung "Sonnenexposition und Aal essen" keineswegs "effizient" ist.
  • Die Problemlösung einer "effektiven Versorgung" unserer Kinder sollte stattdessen in der Einnahme von Vitamin D erkannt werden.
  • Nicht eine automatisch gute Versorgung mit Vitamin D ist die Regel, sondern die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe: Winterzeit, Sonnencreme-Perfektion, dunkler Hauttyp mit hohem Lichtbedarf, Mittagszeit im Schulgebäude, geschlossene Kleidung.
  • Es ist ein Paradigmenwechsel zu fordern: Statt einer "prinzipiellen" Verweigerung von Vitamin D, brauchen wir die prinzipielle Anerkennung des allgegenwärtigen Vitamin-D-Mangels, der im Verlauf der Jahreszeiten im Prinzip jedes Kind in Deutschland trifft und schwer (!!) gefährdet.

Die Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D sollte beim Menschen nicht schlechter sein, als es bei Tieren in deren Futter bereits umgesetzt ist. Tatsache ist, dass selbst die maximal abgesenkte Forderung nach einer generellen Zufuhr von 800-1000 Einheiten pro Tag nirgends verwirklicht wird. Nur wenn man selbst aktiv wird, kann man die Schutzwirkung des Vitamin D ganzjährig gewährleisten. Andere Länder sind da wesentlich weiter, denn sie respektieren das Nobelpreis-Vitamin aus Deutschland (1928) im Gegensatz zu vielen deutschen Ärzten.

Quellenangaben

  • Die Original-Quelle:

https://www.springermedizin.de/prophylaxe-mit-vitamin-d,-k-und-fluor/ern...
Zitat:
"Schlussfolgerung: Aufgrund der vorliegenden Studienlage kann auch bei Vitamin-D-Serum-Konzentrationen unterhalb der Referenzwerte eine generelle Vitamin-D-Supplementierung für Kinder im Alter >2 Lebensjahre ohne Risikofaktoren und ohne chronische Erkrankungen, die potenziell mit Störungen der Kalzium- oder Vitamin-D-Resorption einhergehen, nicht empfohlen werden."




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