HEFT: Das antirachitische Vitamin (1927)

Autor:
Dr. med. et. phil. Friedrich Holtz

Aus dem Inhalt:

Wenn wir Ratten im Alter von etwa 4 -5 Wochen (Gewicht 25 -45 g) unter geeigneten Bedingungen halten, so erkranken die Tiere innerhalb von 3 Wochen unter Erscheinungen, die große Ähnlichkeit mit der menschlichen RACHITIS zeigen.

  • Der anorganische Blutphosphorspiegel sinkt außerordentlich 
  • die normale präparatorische Verkalkung des Knorpels an der Knochengrenze sistiert
  • es beginnt eine Einschmelzung des bereits gebildeten Knochens und
  • eine lebhafte Wucherung des Knorpelgewebes
  • Besonders deutlich treten Knochenveränderungen an den Epiphysen, am Knie- und Schultergelenk im Röntgenbild der Ratten zutage.

Um diese experimentelle Rattenrachitis zu erzeugen, werden die Versuchstiere im Dunkeln bei einer fett- und phosphorarmen Diät gehalten.

(...) Gibt man den Tieren, die in der geschilderten Weise behandelt werden, Lebertran, oder bestrahlt man sie mit ultraviolettem Licht, so bleibt die RACHITIS aus; kranke Tiere lassen sich durch Bestrahlung und durch Lebertran in kürzester Zeit heilen. Es ist nun nicht erforderlich, zwecks sicherer Prophylaxe die Tiere selbst zu bestrahlen, sondern es genügt, bestimmte Nahrungsmittel einige Stunden der Wirkung kurzwelliger Lichtstrahlen auszusetzen, und dieses Futter in sehr kleinen Mengen den Ratten zuzuführen. Es lag der Schluss nahe, dass diese Nahrungsmittel ebenso wie die Haut der Tiere ein Provitamin enthalten, das durch Bestrahlung in die aktive Form, das eigentliche Vitamin, überführt wird. Durch amerikanische und englische Forscher (Hess, Rosenheim, Steenbock) wurde nachgewiesen, dass Cholesterin und seine Verwandten, die in den betreffenden Nahrungsmitteln enthalten sind, nach der Bestrahlung in Dosen von 2 mg pro Tag und Tier einen sicheren Schutz vor RACHITIS gewähren und die bereits bestehende RACHITIS zu heilen imstande sind. 

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