BUCH: Gesamtstoffwechselversuche an Ratten, unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Vitamin D (1935)

Autor:
Werner Schoch
Dipl. Ing. Agr.


Aus dem Inhalt:

Es war namentlich für den Mediziner wichtig, auf Grund dieser Veränderungen exakte Methoden auszuarbeiten, welche gestatten, die rachitischen Prozesse am lebenden Organismus festzustellen. Hier leistet die Röntgenoskopie wertvolle Dienste. Sie liefert Bilder, die die histologischen bzw. histochemischen Knochenveränderungen zur Darstellung bringen. Sie verdanken ihre Entstehung der Undurchlässigkeit der Kalksalze und somit auch der verkalkten Knochenteile für Röntgenstrahlen. Da die rachitische Stoffwechselstörung sich anatomisch-histologisch namentlich in einer mangelhaften endochondralen Ossifikation kundgibt, weisen auch die Röntgenbilder an den Epi-Diaphysenenden die stärksten und charakterischen Veränderungen auf. So haben auch wir in unseren Versuchen mit Ratten die Rachitisdiagnose auf Grund der Befunde im Röntgenbild der Epi-Diaphyse der proximalen Tibiaenden gestellt.
Eine weitere diagnostisch wichtige Veränderung im rachitischen Organismus gegenüber dem normalen, welche angeblich noch früher auftritt als die Knochensymptome, ist die Senkung des Phosphatgehaltes des Blutserums, während sich der Kalkgehalt noch in normalen Grenzen bewegt. György und andere betrachteten diese Hypophosphatämie als primäres Rachitissymptom, durch welches die anderen rachitischen Veränderungen eingeleitet werden.
Das Phosphatanion ist in allen Körperzellen in erheblichen Maße an den Oxidationsprozessen beteiligt, indem es die Verbrennungsvorgänge stark fördert. 
Bei einem Phosphatmangel müsste naturgemäß eine Stoffwechselverlangsamung erfolgen, was von György auch für die rachitische Hypophosphatämie gerfordert wird. Zustände, die durch herabgesetzte, träge Oxidationsvorgänge charakterisiert sind, müssen eine Anhäufung saurer Stoffwechselprodukte aufweisen, es tritt eine Acidose auf, die sich bei Verfolgung der Säureausscheidungsverhältnisse im Urin feststellen lässt. Nach György besteht bei der RACHITIS eine erhöhte intermediäre Bildung von sauren Stoffwechselprodukten, die dann durch intermediäre Ammoniakbildung neutralisiert werden. Die Ammoniakausscheidung kann so stark werden, dass die Reaktion des Harnes auf die alkalische Seite verschoben wird. 
Infolge der erhöhten Säurebildung im intermediären Stoffwechsel wird auch ein Teil, der im Blut verfügbaren Alkalien durch diese sauren Stoffwechselprodukte mit Beschlag belegt, und die Kohlensäure entweicht durch die Lungen; tatsächlich soll sich bei florider RACHITIS eine deutliche Verminderung des Bikarbonatgehaltes des Blutes feststellen lassen.
Trotz der durch Phosphatmangel bedingten Stoffwechselverlangsamung braucht György der Grundumsatz auch bei florider RACHITIS  nicht erniedrigt gefunden zu werden. Es genügt, wenn nur ein Teil des Gesamtstoffwechsels einen trägen Verlauf und verschlechterten Nutzeffekt, mit sekundärer Ansammlung saurer Zwischenprodukte, aufweist.

Die RACHITIS wäre demnach eine Stoffwechselstörung, deren Auftreten durch Vitamin D verhindert bzw. behoben werden kann.