BUCH: Über Rachitis und ihre Behandlung (1938)

Autor:
Dr. Ernst Kehm

 

Aus dem Inhalt: 

Die Kennzeichen der Rachitis:
Wenn wir bedenken, dass die Rachitis eine Erkrankung ist, bei der zwar die Veränderungen am Knochen im Vordergrund stehen, bei der aber nicht nur das Knochensystem erkrankt ist, sondern vielmehr eine Allgemeinerkrankung des Gesamtkörpers vorliegt, so wundert es uns nicht, dass die beginnende Rachitis auffalende Symptome allgemeiner Natur zeigt. Es sind vor allem vasoneurotische, zentralnervöse und psychiche Erscheinungen, die mitunter tage- und wochenlang vor dem Auftreten der Knochenveränderung sich einstellen. 
  • Die Kinder werden matt, manche liegen teilnahmslos in ihrem Bett
  • häufig sind sie schreckhaft, launisch und weinerlich,
  • lassen nur einzelne ihnen gewohnte Personen an sich herankommen
  • und ihr Gesichtsausdruck ist gespannt
  • Mit großen ängstlichen  Augen, indenen eine merkwürdige Unruhe zittert, verfolgen sie die Bewegungen der Erwachsenen
  • Ihr Schlaf ist leise, bei jeder Berührung schrecken sie zusammen
  • ihren Kopf drücken sie in die Kissen und nach jedem Schlaf ist in weitem Umkreis das Kissen nass von Schweiß, der nicht selten klebrig ist und säuerlich riecht.
  • Beim Schreien füllen sich die Schädelvene solcher Kinder prall, ihr Kopf,  ja der ganze Körper wird blaurot und feucht.
  • Die Folge (...) und des erheblichen Schwitzens ist nicht selten eine völlige Haarlosigkeit am Hinterkopf
  • Die Muskeln werden schlaff und atrophisch, das Fettpolster ist schwammig
  • In späteren Stadien schwindet auch das Subkutangewebe, und die Haut wird schließlich dünn und welk.
  • Auch die Bauchmuskulatur, ja die Muskularis der Darmwandungen erschlafft und wird atrophisch. Die Folge davon ist eine meteoristische Auftreibung des Bauches, die man Froschbauch nennt. 
  • Erste Frühzeichen einer Rachitis ist die Craniotabes, sie ist eine Erweichung der Hinterhauptknochen in der Umgebung der Lambdanaht
  • (...) so fühlen die tastenden Finger an einem oder beiden Hinterhauptbeinen oder dem hinteren Abschnitt der Scheitelbeine umschriebene eindrückbare Erweichungsstellen in Form und Größe kleiner Münzen.
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