BUCH: Über den Einfluss von ZNS-Bestrahlung und intrathekal verabreichtem Methotrexat auf die Längenentwicklung von 68 Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (1988)

Autor:
Raimund von Helden

von der medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Medizin genehmigte Dissertation

Zur Entstehung meiner Doktorarbeit:

  • Als ich mich als Student in der Kinderklinik in Aachen meldete und nach einem Thema für meine Doktorarbeit im Bereich Krebsforschung fragte, begann meine Arbeit. Der Ordinarius und sein Oberarzt hatten in der Behandlung der Leukämie in den zurückliegenden Jahren unglaubliche Erfolge erlebt: Die Kinder starben nicht mehr, sondern überlebten Dank eines Chemotherapie-Protokolls von Prof "PINKEL". 
  • Daraus ergab sich nun die Frage, welche Schäden diese überlebenden Kinder haben würden. Ungünstige und tödliche Verläufe, wie es sie heute immer noch gibt, befeuerten das schlechte Gewissen der Abteilung.
  • So wurde es meine Aufgabe, in den pädiatrischen Tumorzentren: Aachen, Köln (Amsterdammer Str.) und der Uni Bonn alle Akten zu sichten, die von Kindern mit Krebserkrankungen berichteten. Ich sichtete 115 Akten, und ich protokollierte sie. Nur ein Teil davon gelangte in die Endfassung der Arbeit. Die EDV-Technik hatte derzeit gerade den C64 herausgebracht, der PC von damals speicherte also insgesamt "sagenhafte 64 000" Zeichen. Die Arbeit schrieb ich daher im Text-Editor des EDV-Zentrums und die Grafiken erstellte ich mir auf einem Plotter. Die Programme musste ich mir zuvor in BASIC erst noch erstellen: Die Achse malen lassen, Skalenstriche einfügen, Daten laden, berechnen, dann zeichnen lassen. Es war die Steinzeit der EDV. Dennoch war es komfortabler als handgemalte Grafiken mit einer Berechnung der Werte mit dem Taschenrechner.
  • Wir dachten damals über alle Hormonsysteme nach, um sie in ihrem Einfluss auf die Entwicklung des Kindes zu prüfen. Die Literatursuche begann damit, dass dicke Bücher nach Stichworten durchforscht werden mussten, anschließend ging man durch die endlosen Keller der Bibliothek, um die dicken Bände der Zeitschriften zu finden und zu öffnen. Die ganze Abteilung dachte an dieser Arbeit mit, doch kein einziger unter uns hatte damals Vitamin D auf dem Schirm! Es ist natürlich traurig, wenn dieser Stand von 1988 sich nach 30 Jahren in einigen onkologischen Abteilungen um keinen Millimeter verbessert hat. Forschung findet hauptsächlich dort statt, wo man mit super teueren Medikamenten maximale finanzielle Ressourcen abrufen kann. 

Aus dem Inhalt:

Fragestellung und Ziel der Untersuchung:
Ziel der Untersuchung ist es, durch Beobachtung der Längenentwicklung langfristige Folgen von Chemotherapie und Bestrahlung für die erkrankten Kinder zu erkennen.

Auszug / Zusammenfassung:
  • Die Therapie der akuten lymphatischen Leukämie des Kindesalters macht eine Beobachtung der Nebenwirkungen erforderlich.
  • (...) Während sich nach einer ZNS- Bestrahlung mit bis zu 18 Gy im Durchschnitt der Patienten keine Wachstumshemmung zeigte, fand sich nach 24 oder 25 Gy ein Rückstand. Dieser betrug bei Umrechnung auf das Erwachsenenalter unter Annahme eines perzentilentreuen Verlaufs 3 cm. 
  • (...) Es wurde aufgezeigt, dass eine ZNS-Bestrahlungsdosis von 18 Gy im Vergleich zur Dosis von 24 Gy bezüglich des Wachstums von Vorteil ist, bezüglich der Rezidivrate jedoch keine Nachteile birgt.
  • (...) Bei der Untersuchung der Wachstumshemmung nach Gabe von ITMTX (intrathekale Injektion von Methotrexat in der Einzeldosis von ca. 12 mg/m2 Körperoberfläche) zeigte sich eine deutliche Schwelle zwischen der Wirkung von 4 bzw. 5 x ITMTX. Während nach einer Therapie mit 0-4x ITMTX nur 20% der Patienten in ihrem Wachstum gehemmt waren, traf dies nach 5 und mehr ITMTX - Injektionen auf 60 % der Patienten zu. 
  • (...) Der Unterschied der beiden Gruppen war statistisch signifikant und ergab nach Umrechnung auf das Erwachsenenalter einen Rückstand von durchschnittlich 3,2 cm.
  • (...) Vor dem Hintergrund der umfangreichen neurologischen Nebenwirkungen des ITMTX wurde die Hypothese diskutiert, dass der Folsäurestoffwechsel und die Sekretion von Wachstumshormonen durch ITMTX gestört werden. 
  • Eine vergleichbare Untersuchung der Längenentwicklung nach einer ZNS-Bestrahlung mit 24 oder 25 Gy bzw. einer ITMTX-Gabe von mehr als 5 Injektionen zeigte eine relativ stärkere Wachstumshemmung nach ITMTX. Während nach 5-13x ITMTX im Vergleich zur Kontrollgruppe zusätzlich 20% der Patienten in ihrem Wachstum gehemmt waren, traf dies nach 24 oder 25 Gy nur auf 5 % der Patienten zu.
  • Nach kombinierter Anwendung von ITMTX-Gabe mit mehr als 5 Injektionen und einer ZNS-Bestrahlung von 24 oder 25 Gy wurden im Vergleich zur Kontrollgruppe zusätzliche 50% der Patienten in ihrem Wachstum gehemmt. 
  • (...) Eine mögliche Ursache für den Wachstumsrückstand nach ITMTX könnte die Verminderung der Sekretion des Wachstumshormones sein.

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