ATLAS: Lehmann´s med. Atlanten Bd. X (1910)

Atlas und Grundriss der Rachitis

Autor:

Dr. Franz Wohlauer


Aus dem Inhalt:

Die Deformitäten im Speziellen

Zahnentwicklung:
Ein äußerst wichtiges und häufig zu beobachtendes Symptom der RACHITIS ist die Unregelmäßigkeit der Zahnentwicklung und die schlechte Ausbildung der Zähne. Hierzu kommt noch ihre schlechte Stellung, welche durch Deformierungen der Kiefer bedingt wird. (...) Die mediane Achse des Oberkiefers wird durch die Deformierung länger, die Quere kleiner (...) Die mittleren Schneidezähne sind vorgeschoben, die äußeren treten zurück. Ein fehlerhafter Kieferschluss ist durch die Stellungsanomalie der Zähne bedingt, die Zahnreihen decken sich nicht, die Kiefer stehen einige Millimeter voneinander ab. Die oberen Schneidezähne überragen die unteren, die oberen Backenzähne stehen mit ihren inneren Kanten auf der Mitte der Kaufläche der unteren, ja sogar auf den äußeren Kronenrändern.

Thorax: An der Innenseite des Thorax treten die Verdickungen stärker hervor, hier sieht man einen beträchtlichen Wulst an der Verbindungsstelle von Knorpel und Knochen. Diese Anschwellungen bilden in ihrer Gesamtheit, da sie ja an jeder Rippe sich finden, den sogenannten rachitischen Rosenkranz. (...) Die stärkste Veränderung (...) äußert sich nun folgendermaßen: Die Rückenfläche ist enorm abgeplattet, die Rippen biegen gegen die Seitefläche in einem spitzen Winkel ab - die Seitenfläche zeigt eine muldenförmige Aushöhlung. 

Wirbelsäule: (...) Die Muskulatur bei RACHITIS zeigt eine beträchtliche Schlaffheit und Atrophie (...) Fehlt nun die Muskelfunktion, welche beim Gesunden die normale Haltung der Wirbelsäule gewährleistet, so folgt die Wirbelsäule der Wirkung der Schwere und es resultiert zuerst die Form der Verbiegung. (...) Die Säuglinge, zumal die schwächlichen Rachitiker, werden weich gebettet; da die insuffiziente Muskulatur die Wirbelsäule nicht gestreckt erhalten kann, so sinkt sie nach hinten zusammen; unterstützt wird dieser Vorgang durch die Muskelbewegungen welche das Kind bei Aufrichteversuchen macht, es wird dabei die Wirbelsäule in flachem Bogen nach hinten gedrückt. Sinkt das Kind wieder zurück, so bleibt die Wirbelsäule in dieser zurückgebeugten Stellung liegen. Setzt sich nun ein solches Kind auf oder wird es häufig aufgesetzt - Craniotabes, Dyspneu - , so kommt die vertikal wirkende Schwerwirkung hinzu, der Kopf und die oberen Extremitäten drücken die Wirbelsäule zusammen und verstärken die kyphotische Krümmung, die am unteren Brust- und oberen Lendenteil sitzt. 

Becken: Zwei Beckendeformierungen werden durch die RACHITIS hervorgebracht, das platte und das allgemein verengte Becken. 

Weitere Deformitäten in aller Ausführlichkeit:

  • Schädel
  • Clavicula
  • Scapula
  • Humerus
  • Ellbogengelenk
  • Vorderarm
  • Oberschenkel
  • Kniegelenk
  • Unterschenkel
  • Fuß