"Ich nehme Tabletten zur Blutverdünnung - darf ich Vitamin K2 nehmen?"
Blutverdünnung
Warum so viele Fragen zur „Blutverdünnung“ auftauchen
Es werden viele Fragen zur sogenannten Blutverdünnung gestellt. Aus der Art dieser Fragen lässt sich oft erkennen, dass hier ein falsches und eher naives Verständnis davon besteht, was dabei tatsächlich passiert.
Der Begriff „Blutverdünnung“ ist irreführend
- Der Ausdruck Blutverdünnung ist umgangssprachlich und im Grunde missverständlich.
- Blut ist nicht wie eine Suppe, die durch die Einnahme bestimmter Medikamente „dünner“ oder „dicker“ wird.
- Die Fließeigenschaften des Blutes werden durch die eingesetzten Medikamente in der Regel nicht in dem Sinne verändert.
- Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit zur Blutgerinnung – also wie leicht bzw. wie stark das Blut gerinnt.
Blutgerinnung als Kaskade: das Domino-Prinzip
- Die Blutgerinnung ist eine biochemische Kaskade.
- Man kann sie sich wie eine Reihe von mehr als zehn Dominosteinen vorstellen: Wird der erste Stein angestoßen, fallen die folgenden nacheinander um.
- Diese „Dominosteine“ nennt man Gerinnungsfaktoren.
- Viele der neueren Medikamente, die früher häufig verwendete Mittel wie Marcumar ersetzen, greifen gezielt in diese Kaskade ein – insbesondere am Faktor 10 (römisch „X“ = zehn).
- Wird ein zentraler Gerinnungsfaktor durch ein Medikament blockiert, kann die Kaskade an dieser Stelle unterbrochen werden.
- Wichtig: Das bezieht sich auf die Gerinnungsmechanismen, die innerhalb der Blutgefäße fein austariert werden.
- Daneben gibt es eine weitere Kaskade von "Dominosteinen" die vor allem bei äußeren Verletzungen eine rasche Blutstillung ermöglichen.
- Beide Kaskaden vereinigen sich sogar sogar y-förmig wie 2 Flüsse die zusammenlaufen.
- Die Thematik ist komplex.
- Es ist so viel an Details enthalten, dass man sogar eine eigene Spezialisierung entwickelt hat: Facharzt/ Fachärztin für Hämostaseologie (Gerinnungsmedizin).
Vitamin K1 und K2: unterschiedliche Rollen
- Vitamin K1 ist für die Bereitstellung bzw. Funktion bestimmter Bestandteile im Gerinnungssystem relevant.
- Vitamin K2 hat auf diese Gerinnungs-Kaskade keinen direkten Einfluss.
Wenn ein K2-Präparat dennoch eine Wirkung zu haben scheint, könnte das (wenn überhaupt) an Unreinheiten liegen – etwa, wenn K1 und K2 bei der Produktion nicht sauber getrennt wurden. Dann könnte ein „unsauberes“ K2-Präparat Effekte zeigen, die eigentlich K1 zuzuschreiben wären.
Das ist vergleichbar mit dem Hinweis auf Lebensmitteln: „kann Spuren von Nüssen enthalten“. Für Allergiker ist das entscheidend, im vorliegenden Kontext sollte es jedoch nicht überinterpretiert werden. Eine gewisse Menge von Vitamin K1 wird bei allen Menschen im Darm erzeugt und das ist sogar lebenswichtig.
Körpereigene Zufuhr über den Darm
- K-Vitamine werden auch durch Darmbakterien bereitgestellt.
- Deshalb hat jeder Mensch grundsätzlich eine gewisse Zufuhr.
- In besonderen Situationen – etwa nach wochenlanger Antibiotikatherapie oder bestimmten Erkrankungen kann es Probleme geben.
- Das Mikrobiom kann so beeinträchtigt sein, dass die Versorgung sinkt.
Zusammenfassung
- Der Begriff „Blutverdünnung“ hat sich eingebürgert, ist aber sachlich missverständlich.
- Tatsächlich geht es um Gerinnungs-Kaskaden („Dominosteine" = Gerinnungsfaktoren), deren Bestandteile für eine funktionierende Blutstillung nötig sind.
- Die besondere Leistung des Systems liegt in seiner Balance:
- Einerseits müssen innere Blutungen verhindert werden: Schutz vor innerer Verblutung.
- Andererseits darf es nicht zu einer gefährlichen Gerinnselbildung in Gefäßen kommen: die Thrombose-
- Vitamin K1 ist gerinnungsrelevant
- Vitamin K2 ist an den Gereinnungsfaktoren nicht beteiligt, stattdessen ist es für die Proteine des Calcium-Transports zuständig.
- Es sind quasi Geschwister, die sich ähnlich sind, jedoch in zwei völlig verschiedenen Berufen arbeiten: Verkehrspolizist und Transport-Unternehmer.
- Neuere Gerinnungshemmer (z. B. Rivaroxaban und Enoxaban) zielen auf den Faktor 10 ab und werden daher nicht durch Vitamin K1 beeinflusst.
Beispiele der "NOAK"-Medikamente- beachte den Buchstaben "X" = 10
- Dabigatran – Pradaxa®
- Rivaroxaban – Xarelto® - jetzt starker Preisverfall, weil das Patent abgelaufen ist.
- Apixaban – Eliquis®
- Edoxaban – Lixiana®
Wir brauchen Vitamin-K1 für diese Gerinnungsfaktoren
Vitamin K1 ist für die Herstellung einige bestimmter Gerinnungsproteine in der Leber nötig.
Nur wenn genug Vitamin-K1 vorhanden ist, funktionieren diese Dominosteine der Blutgerinnung
- 2: Faktor II
- 7: Faktor VII
- 9: Faktor IX
- 10: Faktor X
- Merkwort: "1972" = 10,9,7,2
Proteine, die eine Thrombose verhindern (ebenfalls Vitamin-K-abhängig)
- Protein C
- Protein S
Exkurs: Was macht eigentlich ASS (Acetylsalicylsäure)?
- ASS wirkt nicht auf die Gerinnungsfaktoren.
- Eine Interaktion mit Vitamin K2 oder K1 besteht daher nicht.
- Stattdessen beeinflusst ASS die Thrombozyten.
- Das sind unsere Blutplättchen, die eine Verletzung erkennen und einen „Alarm“ und eine Reparatur auslösen können.
- Unter ASS-Einnahme können diese Blutplättchen die Blutstillung nicht mehr so schnell anstoßen.
- Die Aktivierung der Gerinnung läuft dadurch weniger effektiv ab.
- ASS wirkt hauptsächlich in den Arterien, kaum in den Venen.
- Daher wird es benutzt, um eine Blockade in den druckführenden Leitungen zu verhindern.
- Vorhofflimmern und Thrombose sind Ereignisse des venösen Systems.
- Hierfür hat man die Stoffe entwickelt, die den Faktor 10 blockieren, was ASS nicht kann.
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