Muss mein CHOLESTERIN behandelt werden? Die Leitlinie für Ärzte!

Dr. med. Raimund von Helden, Verbraucherberatung Privat-Institut VitaminDelta, 57368 Lennestadt referiert die Leitlinie der DEGAM ( Dt. Ges. f. Allgemeinmedizin).

2024-06-02

1) Fragestellung

  • Ein regelmäßiger "Check-Up" wird von den Krankenkassen empfohlen.
  • Während bei einem Flugzeug-Check-UP alles in einer langen Liste geprüft wird, sind es beim Menschen ganz wenige Messwerte:
  • Cholesterin (inkl. HDL), Blutzucker, Blutdruck, Urin
  • Oft wird im Laborblatt ein LDL über 130 mg/dl bereits als "Pathologisch" angezeigt und eine sofortige medikamentöse Therapie einegeleitet.

Ist das wissenschaftlich gesehen von Vorteil?
 

2) Methode

  • Die DEGAM hat eine Leitlinie dazu veröffentlicht.
  • 111 PDF-Seiten
  • 0,5 Mybte
  • Abrufdatum Mai 2024
  • LINK

3) Ergebnisse

REFERAT:

Zur Therapieindikation: "nicht routinemäßig"

  • Bei Personen ohne vorheriges kardiovaskuläres Ereignis geht man davon aus, dass eine medikamentöse Behandlung nicht routinemäßig erfolgen sollte.
  • U.a. wegen der deutlich besseren Effekte einer Lebensstil-Änderung (regelmäßige Bewegung bzw. Nikotinstopp) ist vor Einleitung einer Lipid-senkenden medikamentösen Behandlung eine Prüfung der absoluten und relativen Risiken für kardiovaskuläre Ereignisse und der möglichen Therapieeffekte sinnvoll.
  • (siehe https://arribahausarzt.de)

(vgl. Seite 58)

Kombinationsverbot: Das NO GO der Therapie

  • ganz verboten ist die Kombination mit:
  • Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol
  • Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycin n HIV-Proteaseinhibitoren
  • Gemfibrozil
  • Ciclosporin
  • Danazol
  • nur maximal Simvastatin 10 mg/Tag bei Gabe von:
  • Amiodaron
  • Verapamil
  • Diltiazem

(vgl. Seite 68)
 

Die Gefährdung: Diese Risiken müssen respektiert werden

In den Fachinformationen für Cholesterinsenker aus der Gruppe der "-Statine"...
wird vor Beginn einer Therapie auch eine Erhebung folgender Risiken für eine Auflösung der Muskulatur (Rhabdomyolyse*) empfohlen: 

  • reduzierte Nierenfunktion, 
  • Hypothyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • erbliche Myopathien, (Muskelerkrankung)
  • muskuläres Ereignis nach Gabe
  • Lebererkrankungen, 
  • Alkoholabusus, 
  • Patienten über 70 Jahre

(vgl. Seite 68)

* Exkurs: Was ist eine Rhabdomyolyse?

  • Die Muskulatur wird bei einigen Menschen duch die Cholesterinsenker zerstört.
  • Massenhaft ist Muskel-Enzym in der Blutbahn nachweisbar: CK steigt im Serum von normalem Wert unter 170 u. U. auf 100.000 an
  • Die Fragmente verstopfen die Niere.
  • Es gibt Fälle, in denen die Nierenfunktion unrettbar verloren war: Dialyse für den Rest des Lebens. Weil dieses Risiko im Beipackzettel steht, wird nicht mehr darüber aufgeklärt. Ein Fehler ist es, wenn die Kontraindikationen nicht beachtet werden.

Zum Grenzwert: Erst bei "LDL190 mg/dl + Opa mit Herzinfarkt"

Eine einheitliche Definition der familiären Hyper- Cholesterinämie (FH) gibt es derzeit nicht. Klose et al. [285] schlagen folgende Kriterien für die klinische Diagnose vor:
1) erhöhtes LDL-Cholesterin über 190 mg/dL und
2) positive Familienanamnese für Hyper-Cholesterinämie oder frühzeitige koronare Herzerkrankung oder Nachweis von Xanthomen.
(vgl. Seite 61)

Exkurs: Was sind Xanthome?

  • Den meisten haben es schon einmal gesehen: fetthaltige Knötchen in der Haut rund um die Augen.
  • Diese gelben Fett- und Cholesterin-Einlagerungen können am ganzen Körper auftreten.
  • Eine Rötung und Entzündung spricht gegen die Diagnose Xanthom (gelber Knoten)
  • Eine Entfernung ist möglich, doch entstehen meist wieder neue Xanthome.

Exkurs: Was ist eine "koronare Herzerkrankung"?

  • "Meine Oma war herzkrank!"
  • Diese Erinnerung ist nicht gleichbedeutend mit der "koronaren" Herzkrankheit
  • Es ist daher keine Indikation für eine Therapie mit Cholesterinsenkern.
  • Es gibt an der "Pumpe" Herz ganz unterschiedliche Krankheiten: Die Schädigung der Herzklappen, der Muskulatur und der Muskel-versorgenden Arterien. Weil diese wie ein Diadem um das Herz herumlaufen heissen sie "koronar" (Corona = Kranz).

4) Folgerungen

  • Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention - das ist die tägliche Aufgabe der Allgemeinmedizin.
  • Auch wenn der Kardiologe das LDL-Cholesterin oft "unter 100 mg/dl" senken möchte, sollte der Hausarzt das letzte Wort haben.
  • De Kardiologen und den Klinikärzten fehlt oft die Zeit, alle Risikofaktoren der Patienten zu recherchieren.
  • Eine schmerzende Muskulatur oder eine geschädigte Niere ist ein zu hoher Preis, wenn andererseits gar kein Nutzen erzielt wird.

Eine gefährliche "Reise ins Land der Statine"

  • Man sollte sie nur unternehmen, wenn kein "Reiserücktritt" möglich ist: besser ist es die Risiken zu senken durch Sport und Nikotin-Stopp.
  • Unter der Therapie kann man extrem "gefährliche Begegnungen" haben: Kontraindikationen beachten!
  • Schuldhaft wäre es, ein "Reiseverbot" zu übersehen: Leber, Niere, Schilddrüse, Alter u.s.w.
  •  Man sollte "die Reise absagen", wenn das LDL unter 190 mg/dl liegt - Und auch bei einem LDL über 190 nur dann beginnen, wenn eine Schädigung der Arterien nachgewiesen werden konnte (b. d. Pat. oder b. Blutsverwandten).

Warum muss das Cholesterin "geschont" werden?

  • Eine blinde Jagd auf das "böse Cholesterin" bis auf Werte unter 100 mg/dl ist oft nicht durch eine Krankheiten gerechtfertigt.
  • Cholesterin ist das Basis-Molekül, aus der im Körper Vitamin D erzeugt wird!
  • Der Schlüssel-Rohling, aus dem auch alle Steroid-Hormone gebaut werden.
  • Cholesterin nur einseitig als Feind zu verstehen, das ist ein manipulierter Kompass.

Mehr:

Diese Grafik zeigt, dass es tödlich werden kann, wenn man das LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl senkt:
www.VitaminDService.de/LDL

Oft thematisiert:
https://www.vitamindservice.de/search/node/Cholesterin
 

Quellenangaben

Die DEGAM-Leitlinie

Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention
S3-Leitlinie
AWMF-Register-Nr. 053-024
DEGAM-Leitlinie Nr. 19

Klare Worte über eine umstrittenes Thema:;
Cholesterinsenker - kritisch betrachtet
 




» Spezielles Download zu diesem Beitrag

» Zurück zur VitaminDzeitung als Tabelle

» Zum nächsten Beitrag blättern "Wenn das PARATHORMON zu hoch ist: besser Vitamin D als Calcium geben"