
Gibt es gegen Reizdarm eine neue Chance durch NANA10?
Reizdarm: wenn der Darm sich ständig meldet
- Zu Beginn des Reizdarmsyndroms treten wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen und wechselnde Stuhlgewohnheiten auf.
- Mit der Zeit können sich die Beschwerden verstärken und den Alltag durch Unvorhersehbarkeit und ständige Anspannung erheblich belasten.
Was ist ein Das Reizdarm-Syndrom (IBS)?
- Das Reizdarm-Syndrom (IBS) - Irritable Bowel Syndrome...
- ...ist eine häufige funktionelle Darmerkrankung.
- Typisch sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder ein Wechsel zwischen beidem.
- Bei Untersuchungen findet sich meist keine erkennbare strukturelle Schädigung des Darms.
Reizdarm-Syndrom und Darmpermeabilität – Zonulin als Leitmarker
Übersicht des Themas in allgemeinverständlicher Form
Frage 1: Was ist das Reizdarm-Syndrom, und warum könnte eine gestörte Darmwand eine Rolle spielen?
- Die Darmwand dient als Schutzbarriere: Sie lässt Nährstoffe durch, hält aber Bakterien und schädliche Stoffe möglichst zurück.
- Bei manchen Menschen mit Reizdarm-Syndrom (IBS) ist diese Barriere gestört.
- Fachleute sprechen dann von einer erhöhten Darmdurchlässigkeit oder einem „Leaky Gut“ (durchlässiger Darm).
- Eine gestörte Darmbarriere kann Entzündungsreaktionen fördern und möglicherweise zu typischen IBS-Beschwerdenbeitragen.
Frage 2: Welche Messwerte werden untersucht, um die Darmbarriere zu beurteilen?
- Zonulin ist ein Eiweiß, das die Verbindungen zwischen den Darmzellen beeinflusst. Erhöhte Werte können auf eine gestörte Darmbarriere hinweisen.
- LBP und sCD14 geben Hinweise darauf, ob Bestandteile von Darmbakterien in die Blutbahn gelangt sind.
- i-FABP ist ein Marker dafür, ob Darmzellen (Enterozyten) geschädigt sind.
- Diese Marker werden im Blut oder Stuhl gemessen, um mögliche Störungen der Darmbarriere beim Reizdarm-Syndrom (IBS) zu erfassen.
Frage 3: Was zeigen die Studien – ist die Darmbarriere beim IBS wirklich gestört?
- 89 % der ausgewerteten 37 Studien kommen zu dem Ergebnis, dass IBS mit erhöhter Darmdurchlässigkeit verbunden ist.
- Insbesondere Zonulin im Blut und Stuhl ist bei IBS-Patienten häufig erhöht, vor allem beim Durchfall-Typ (IBS-D).
- Für LBP, sCD14 und i-FABP ist die Datenlage weniger eindeutig; diese Marker sind eher bei entzündlichen Darmerkrankungen auffällig.
- Die Barrierestörung tritt nicht bei allen IBS-Patienten auf, sondern hauptsächlich in bestimmten Untergruppen.
Frage 4: Wie zuverlässig sind diese Messwerte, und was bedeutet das für Diagnose und Therapie?
- Die Messung von Zonulin ist technisch schwierig: Handelsübliche ELISA-Testkits erfassen häufig nicht nur Zonulin selbst, sondern auch verwandte Eiweißstoffe.
- Zwischen Zonulinwerten im Blut und im Stuhl sowie zwischen diesen Markern und anderen Tests der Darmdurchlässigkeit besteht keine verlässliche Übereinstimmung.
- Die Ergebnisse sollten deshalb vorsichtig bewertet werden. Zonulin ist beim Reizdarm-Syndrom (IBS) derzeit kein fest etablierter Routinemarker.
- Weitere methodisch hochwertige Studien sind notwendig, um zu klären, wie nützlich diese Biomarker in der Praxis tatsächlich sind.
Reizdarm-Syndrom und Darmpermeabilitäts-Biomarker – Zonulin als Leitmarker, uneinheitliche Evidenz für LBP, sCD14 und i-FABP
1. Fragestellung
- Das Reizdarm-Syndrom (IBS) ist bei einem Teil der Patient:innen mit pathologisch erhöhter Darm-Permeabilität assoziiert.
- Insbesondere Zonulin (fäkal und Serum) wird als auffälliger Marker beschrieben.
- Die Evidenz für LBP, sCD14 und i-FABP ist dagegen uneinheitlich oder schwach.
- Das Reizdarm-Syndrom (IBS) ist eine häufige funktionelle Darmerkrankung.
- Ihre Pathophysiologie wird zunehmend mit einer gestörten Darmbarriere und erhöhter intestinaler Permeabilität („leaky gut") in Verbindung gebracht (Hanning et al. 2021; Barbaro et al. 2024; Piche et al. 2008).
- Verschiedene Biomarker wie Zonulin (im Stuhl und Serum), Lipopolysaccharid-bindendes Protein (LBP), lösliches CD14 (sCD14) und intestinales Fettsäure-bindendes Protein (i-FABP) werden zur Bewertung der Barrierefunktion untersucht.
- Die Literatur zeigt, dass insbesondere Zonulin-Werte bei IBS-Patient:innen erhöht sein können, während die Aussagekraft von LBP, sCD14 und i-FABP weniger eindeutig ist (Singh et al. 2019; Russo et al. 2025; Prospero et al. 2021; Linsalata et al. 2024).
- Die Validität dieser Marker wird kontrovers diskutiert, da methodische Limitationen und fehlende Spezifität bestehen (Talley et al. 2019; Massier et al. 2020; De-Faria et al. 2021; Vanuytsel et al. 2021).
- Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass eine Subgruppe von IBS-Patient:innen – vor allem mit Durchfall-Dominanz – pathologisch erhöhte Permeabilitätswerte aufweist.
- Diese erhöhten Werte korrelieren mit Symptomen wie Diarrhoe und Bauchschmerzen (Singh et al. 2019; Hanning et al. 2021; Prospero et al. 2021).
2. Methoden
- Für diese Übersicht wurden über 170 Millionen wissenschaftliche Publikationen aus Datenbanken wie Semantic Scholar und PubMed durchsucht.
- Insgesamt wurden 1556 relevante Arbeiten identifiziert.
- Davon wurden 240 Arbeiten gescreent und 119 als geeignet bewertet.
- Schließlich wurden 50 Studien in diese Analyse aufgenommen.
- Die Suchstrategie umfasste sechs gezielte Suchgruppen zu Biomarkern der Darmpermeabilität bei IBS sowie verwandten Erkrankungen.
- Die Recherche erfolgte über die Plattform Consensus.app, eine KI-gestützte Suchmaschine für wissenschaftliche Publikationen.
3. Ergebnisse
Konsens-Meter: Ist das Reizdarm-Syndrom mit pathologischen Werten für die Darm-Permeabilität verbunden? (Anzahl der Studien: 37)
- Ja: 89 % (33 Studien)
- Möglicherweise: 5 % (2 Studien)
- Gemischt: 3 % (1 Studie)
- Nein: 3 % (1 Studie)
3.1 Zonulin (Serum & fäkal)
- Mehrere Studien zeigen erhöhte Serum-Zonulin-Werte bei IBS-Patient:innen im Vergleich zu Gesunden.
- Diese Werte sind vergleichbar mit denen bei Zöliakie (Singh et al. 2019; Hilal et al. 2024).
- Besonders bei Durchfall-dominantem IBS korrelieren erhöhte Zonulin-Spiegel mit Stuhlfrequenz und Symptomschwere (Singh et al. 2019).
- Auch fäkales Zonulin ist bei IBS erhöht und steht im Zusammenhang mit Ernährung, Stresshormonen sowie psychischen Faktoren (Russo et al. 2025; Gaus & Livzan 2023; Linsalata et al. 2024).
- Allerdings finden einige Studien keine signifikanten Unterschiede oder stellen die Spezifität von Zonulin als Marker infrage (Talley et al. 2019; Massier et al. 2020; De-Faria et al. 2021).
3.2 LBP & sCD14
- Für LBP (Lipopolysaccharid-bindendes Protein) gibt es Hinweise auf erhöhte Werte bei entzündlichen Darmerkrankungen.
- Für IBS sind die Daten jedoch begrenzt oder widersprüchlich (Mogilevski et al. 2024; Geertsema et al. 2026).
- Ähnliches gilt für sCD14, das als Marker für bakterielle Translokation diskutiert wird.
- Auch hier fehlen konsistente Nachweise für eine spezifische Erhöhung bei IBS (Martín et al. 2023; Cao et al. 2023).
3.3 i-FABP
- Das intestinale Fettsäure-bindende Protein (i-FABP) spiegelt Enterozytenschädigung wider.
- Bei IBS zeigen mehrere Studien keine signifikant erhöhten i-FABP-Werte im Vergleich zu Kontrollen oder anderen Erkrankungen wie Zöliakie (Singh et al. 2019; Linsalata et al. 2018; Prospero et al. 2021).
- In einigen Fällen bleibt i-FABP trotz erhöhter Permeabilität normal, was gegen eine ausgeprägte Enterozytenschädigung spricht.
3.4 Methodische Aspekte & Kritik an Biomarkern
- Die Validität von Zonulin-Messungen wird kritisch gesehen: Kommerzielle ELISA-Kits sind oft unspezifisch …
- … und messen möglicherweise nicht ausschließlich Zonulin selbst (Talley et al. 2019; Massier et al. 2020; De-Faria et al. 2021; Vanuytsel et al. 2021).
- Es besteht keine klare Korrelation zwischen Serum- und fäkalen Werten oder zwischen Biomarkerwerten und funktionellen Messungen der Permeabilität (De-Faria et al. 2021; Wegh et al. 2019).
3.5 Tabelle: Zentrale Aussagen zur Evidenzlage der untersuchten Marker
| Aussage | Evidenzstärke | Begründung | Quellen |
|---|---|---|---|
| Erhöhte Serum-Zonulin-Werte bei IBS vs. Kontrollen | Moderat | Mehrere kontrollierte Studien zeigen signifikante Unterschiede; Korrelation mit Symptomen vorhanden | (Singh et al. 2019; Hilal et al. 2024) |
| Fäkales Zonulin ist bei IBS erhöht | Moderat | Verschiedene Kohortenstudien belegen erhöhte Werte; Zusammenhang mit Ernährung/Stress | (Russo et al. 2025; Gaus & Livzan 2023) |
| LBP/sCD14 sind keine spezifischen Marker für Barriere-Störung bei IBS | Moderat | Kaum Daten speziell zu IBS; stärkere Evidenz nur für IBD | (Mogilevski et al. 2024; Geertsema et al. 2026) |
| i-FABP bleibt meist unauffällig bei IBS | Moderat | Keine signifikanten Unterschiede zu Kontrollen in mehreren Studien | (Singh et al. 2019; Linsalata et al. 2018) |
| Methodische Limitationen schränken Aussagekraft von Zonulin ein | Stark | ELISA-Kits oft unspezifisch; fehlende Korrelation zu funktionellen Tests | (Talley et al. 2019; Massier et al. 2020; De-Faria et al. 2021; Vanuytsel et al. 2021) |
| Erhöhte Permeabilität betrifft v.a. Subgruppen (z.B. IBS-D) | Moderat | Prävalenz v.a. in bestimmten Subtypen nachgewiesen | (Hanning et al. 2021) |
4. Zusammenfassung
- Die Evidenzlage zeigt eine moderate Assoziation zwischen IBS – insbesondere dem diarrhödominanten Subtyp – und erhöhter intestinaler Permeabilität gemessen an Zonulin (Serum/fäkal).
- Die Korrelation dieser Werte mit klinischen Symptomen unterstreicht ihre potenzielle Relevanz als Biomarker (Singh et al. 2019; Russo et al. 2025; Prospero et al. 2021).
- Für LBP und sCD14 gibt es bislang kaum überzeugende Daten im Kontext von IBS.
- Sie scheinen eher bei entzündlichen Darmerkrankungen relevant zu sein (Mogilevski et al. 2024; Geertsema et al. 2026).
- i-FABP bleibt meist unauffällig und eignet sich daher nicht als spezifischer Marker für Barriere-Störungen beim klassischen IBS (Singh et al. 2019; Linsalata et al. 2018).
- Allerdings bestehen erhebliche methodische Unsicherheiten: Die Messung von Zonulin ist durch unspezifische Assays limitiert.
- Zudem fehlt oft die Korrelation zu funktionellen Tests der Permeabilität wie dem Lactulose/Mannitol-Test oder Ussing-Kammern (Talley et al. 2019; Massier et al. 2020; De-Faria et al. 2021; Vanuytsel et al. 2021).
- Daher sollten Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden.
- Beim Reizdarm-Syndrom – insbesondere beim diarrhödominanten Typ – besteht häufig eine pathologisch erhöhte Darmpermeabilität, am besten messbar über Serum- oder fäkales Zonulin.
- Die Aussagekraft anderer Marker wie LBP, sCD14 oder i-FABP ist begrenzt bzw. nicht spezifisch für klassische Barriere-Störungen beim Reizdarmsyndrom.
- Eine gestörte Darmbarriere spielt beim Reizdarmsyndrom eine wichtige Rolle – insbesondere messbar an Zonulin.
- Methodische Unsicherheiten erfordern jedoch weiterhin kritische Bewertung aller Biomarkerbefunde.
Matrix: Forschungsaktivitäten nach Marker & Outcome
| Thema/Outcome | Serum-Zonulin | Fäkales Zonulin | LBP/sCD14 | i-FABP |
|---|---|---|---|---|
| IBS-Diagnose | 7 | 5 | 2 | 4 |
| Symptomkorrelation | 4 | 4 | GAP | 2 |
| Funktionelle Test-Korrelation | 2 | 1 | GAP | GAP |
| Subtypendifferenzierung | 3 | 2 | GAP | GAP |
Liste: Offene Forschungsfragen zur weiteren Erforschung von Biomarkern der Darmpermeabilität beim Reizdarmsyndrom
| Frage | Warum |
|---|---|
| Wie zuverlässig spiegeln kommerzielle Zonulin-Assays tatsächlich die intestinale Permeabilität wider? | Unspezifische ELISA-Kits erschweren die Interpretation klinischer Befunde erheblich |
| Welche Rolle spielen LBP und sCD14 spezifisch beim klassischen Reizdarmsyndrom? | Bisherige Daten stammen überwiegend aus IBD-Kontexten; ihre Bedeutung für das klassische IBS bleibt offen |
| Lässt sich durch gezielte Therapie der Barrierefunktion eine Symptomverbesserung erzielen? | Interventionsstudien könnten klären, ob Barrierestärkung therapeutisch relevant ist |
5. Quellen
- Barbaro, M., Cremon, C., Marasco, G., Savarino, E., Guglielmetti, S., Bonomini, F., Palombo, M., Fuschi, D., Rotondo, L., Mantegazza, G., Duncan, R., Di Sabatino, A., Valente, S., Pasquinelli, G., Vergnolle, N., Stanghellini, V., Collins, S., & Barbara, G. (2024). Molecular Mechanisms Underlying Loss of Vascular and Epithelial Integrity in Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2024.07.004
- Cao, V., Carter, M., Brenchley, J., Bolan, H., Scott, L., Bai, Y., Metcalfe, D., & Komarow, H. (2023). sCD14 and intestinal fatty acid binding protein are elevated in the serum of patients with idiopathic anaphylaxis. The journal of allergy and clinical immunology. In practice. https://doi.org/10.1016/j.jaci.2022.12.691
- De-Faria, F., Bednarska, O., Ström, M., Söderholm, J., Walter, S., & Keita, Å. (2021). Colonic paracellular permeability and circulating zonulin-related proteins. Scandinavian Journal of Gastroenterology, 56, 424–431. https://doi.org/10.1080/00365521.2021.1879247
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- Geertsema, S., Bourgonje, A., Veenstra, F., Gacesa, R., Fagundes, R., Spekhorst, L., Hu, S., De Jong, S., Jansen, B., Holstein, H., Ruane, D., Kannan, A., Weersma, R., Van Goor, H., Dijkstra, G., & Faber, K. (2026). P0224 Blood-based biomarkers of gut barrier integrity associate with disease activity and future disease progression in inflammatory bowel disease. Journal of Crohn's and Colitis. https://doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjaf231.405
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- Talley, N., Holtmann, G., Jones, M., Koloski, N., Walker, M., Burns, G., Potter, M., Shah, A., & Keely, S. (2019). Zonulin in serum as a biomarker fails to identify the IBS, functional dyspepsia and non-coeliac wheat sensitivity. Gut, 69, 1–3. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2019-318664
- Vanuytsel, T., Tack, J., & Farré, R. (2021). The Role of Intestinal Permeability in Gastrointestinal Disorders and Current Methods of Evaluation. Frontiers in Nutrition, 8. https://doi.org/10.3389/fnut.2021.717925
- Wegh, C., Roos, N., Hovenier, R., Meijerink, J., Vaart, I., Hemert, S., & Witteman, B. (2019). Intestinal Permeability Measured by Urinary Sucrose Excretion Correlates with Serum Zonulin and Faecal Calprotectin Concentrations in UC Patients in Remission. Journal of Nutrition and Metabolism, 2019. https://doi.org/10.1155/2019/2472754
Top Contributors
| Typ | Name | Arbeiten |
|---|---|---|
| Autor | M. Linsalata | (Talley et al. 2019; Cao et al. 2023; Fedorin et al. 2023) |
| Autor | G. Riezzo | (Talley et al. 2019; Vanuytsel et al. 2021; Cao et al. 2023) |
| Autor | B. D'Attoma | (Talley et al. 2019; Vanuytsel et al. 2021; Cao et al. 2023) |
| Journal | BMC Gastroenterology | (Talley et al. 2019; Vanuytsel et al. 2021) |
| Journal | Nutrients | (Cao et al. 2023; Fedorin et al. 2023) |
| Journal | Frontiers in Physiology | (Piche et al. 2008) |
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